Donnerstag, 30. Dezember 2010

2010 - Eure Eindrücke & ein großes Dankeschön

Das Jahr 2010 fiel in vielerlei Hinsicht überraschend positiv aus. Besonders was die Veröffentlichungen angeht, wurde jede Menge hochwertige Musik veröffentlicht, die ihren Preis in allen Belangen wert war/ist. Darunter internationale Größen (Kanye West), nationale Helden (Kool Savas, Olli Banjo), aber auch (bis dato) weniger bekannte Namen wie die Inflabluntahz, Negundo oder Boshi San.

Wie fiel das (bald) hinter uns liegende Jahr für euch aus? Was waren eure Highlights und Pflichtkäufe? Gab es Veröffentlichungen, die euch - positiv wie negativ - besonders überrascht haben? Erwartungen, die ihr an Alben hattet, die bitter enttäuscht wurden? Und natürlich nicht zuletzt die Frage, ob es bereits Ankündigungen für 2011 gibt, auf die ihr schon jetzt gespannt seid?

Abschließend möchte ich mich bei allen Partner, Unterstützern und Lesern recht herzlich für das Jahr 2010 bedanken. Nur mit eurer Hilfe ist es mir möglich, den Blog am Leben zu halten und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr zur selben Zeit noch immer hier schreiben werde. Kommt gut ins neue Jahr und wir lesen uns in alter Frische im Januar wieder - mit weiteren Reviews und mehr, versprochen.

One,
Jai

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Cres - Hip Hop Changed My Life




Denkt man an Spanien, so kommt nicht wenigen Deutschen zunächst Mallorca in den Sinn. Lockere Urlaubsatmosphäre, jede Menge Alkohol aus Eimern konsumiert und eine ganze Flut an simplen Mitsing-Liedern, die dort die Discotheken beschallen. Spanischer Rap ist hingegen nur wenigen geläufig und das, obwohl es mehr als nur eine Hand voll hochgradig talentierter Rapper gibt. Einer der vielleicht interessantesten Akteure ist der aus der Hafenstadt Alicante kommende Rapper Cres, der mit „Hip Hop Changed My Life“ dieses Jahr ein Album an den Start brachte, das wertvoller wohl kaum sein könnte. Und somit durchaus als Vorzeigeexempel für handwerklich tadellosen Rap stehen kann, an dem auch Menschen gefallen finden können, die der spanischen Sprache nicht oder nur bedingt mächtig sind.

Nun, was macht diesen Cres so einzigartig? Die Antwort ist ebenso vielsagend wie einfach, er denkt international und beschränkt sich nicht einzig auf die nationale Rapszene. Zwar ist auch er ein spanischer MC wie er leibt und lebt, verschließt sich jedoch nicht vor weiteren Einflüssen, vorzugsweise natürlich aus dem Mutterland des Rap, den Vereinigten Staaten. Belege hierfür sind unter anderem Gastspiele von Mykill Miers, Kev Brown und Termanology, sowie Produktionen von M-Phazes, Illmind und Symbolyc One. Ergänzt durch spanische Features und einige auf englische gerappte Strophen von Cres, die bisweilen nahtlos in seine spanischen Lyrics, die man zum Teil im Booklet nachlesen kann, übergehen.

Vom Klangbild her, lässt sich „Hip Hop Changed My Mind“ bereits mit Hilfe des Intros umschreiben: ein reduziertes Instrumental, wie es zeitloser wohl kaum sein könnte, ergänzt durch Cres’ feine Zeilen, die seine Liebe zur Kultur deutlich zum Ausdruck bringen. Wird hier das Genick noch vergleichsweise verhalten eingeführt, folgt der erste Belastungstest sodann mit dem von Illmind produzierten „Restless“. Ein Brett vor dem Herrn, verziert durch erlesene Cuts und um einen gut aufgelegten Termanology, bietet alles, was man sich von internationalen Kollabos wünschen kann.

Im Verlaufe des Albums erkennt man immer wieder den ein oder anderen Einfluss und lernt Cres und seine Musik kennen und lieben. „Mi Habitáculo Sobre Ruedas“ ist laut Credits etwa von Neo produziert, könnte jedoch ebenso gut von Erick Sermon stammen, während „Dispersos En El Kaos“ mit treibendem Instrumental zu Werke geht, gefolgt vom positiven Vibe eines „I Love My Life“ mit Thesis, deren Stimme zu gefallen weiß. Die transatlantische Großkollabo mit Mykill Miers, Kev Brown und Elphomega wird zum rohen Stück Rap und endgültig Feierabend ist dann, wenn einer der größten spanischen Rap-Persönlichkeiten auf ein Gastspiel vorbeischaut: Toteking, mit dem ein echtes Kopfnicker-Geschoss vom Feinsten realisiert wurde, welches ein weiteres Mal den Produzentenskills von Symbolyc One geschuldet ist.

Kurz zusammengefasst, lässt sich über „Hip Hop Changed My Life“ nur Positives sagen. Musikalisch in einem kohärenten Rahmen gehalten, gibt es spanischen Rap, der gewürzt wird mit einer Portion amerikanischen Einflusses und ein Album, welches schlicht und einfach Spaß macht. Gerade wer noch nicht allzu viel von spanischem Rap mitbekommen hat, kann dies als Gelegenheit nutzen, um vorsichtig einen Einblick zu erhalten, zumal hier auch hartgesottene Ostküsten-Freunde auf ihre Kosten kommen. Rein hören lohnt sich also unbedingt.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Telly Tellz - Mischlingskind




Nachdem Labelkollege Nate57 in diesem Jahr bereits beachtliche Lorbeeren für sich und das noch vergleichsweise junge Label Rattos Locos einheimsen konnte, folgt mit Telly Tellz und dessen Mixtape „Mischlingskind“ der nächste Release. Dass der gute Mann alles andere als untalentiert ist, bewies er so unter anderem bereits auf Nates Album und legt nun mit fünfzehn Tracks ein ambitioniertes Mixtape vor, dass seinen Namen in die Welt hinaus tragen soll. Mit dabei sind gute Bekannte wie Reeperbahn Kareem, Boz, Babacan und natürlich Nate57. Kommen wir also ohne große Umwege zur Sache, der Musik.

Schon kurz nach dem ersten Einlegen wird man mit an britischen Grime erinnernden Beats konfrontiert, die im vorliegenden Falle jedoch alles andere als unpassend wirken. Es erweckt viel mehr den Eindruck, als habe Telly Tellz nie etwas anderes gemacht, als Beats wie „Countdown“ bzw. „Hamburg“ zu berappen. Tatsächlich ist die Palette von Tellys Repertoire weit abwechslungsreicher. Schon „Drehn Ab“ mit Nate57 ist ein als klassisch einzuordnender Track, während „Dinge Ändern Sich“ nicht nur vom Titelnamen her an Bushidos filmisches Debüt erinnert, sondern zunächst auch vom Beat her an den prominenten Berliner erinnert, was in diesem Falle jedoch positiv zu verstehen ist.

Ein echtes Highlight ist „Die Wahrheit Tut Weh“ mit Boz, das durch seine Kompromisslosigkeit mit beachtlicher Konsequenz ins Ohr geht und die große Stärke von Telly Tellz hervorhebt: das glaubhafte Schildern vom Leben in seiner Gegend plus eine gesunde Portion Straßenkredibilität ohne übermäßiges Übertreiben. Gepaart mit den drückenden Instrumentalen ist in der Regel schon nach der ersten Strophe alles klar. Oben drauf gibt es Songs wie „Mischlingskind“ und „Seh Zu Wo Ich Bleib“, die durch ihre besonnenen Texte angenehm abheben und für etwas Abwechslung sorgen.

Zwar ist „Mischlingskind“ lediglich ein Mixtape und als solches nicht überzubewerten, doch erreicht es sein Ziel und macht Lust auf mehr Material von Telly, dem man ein Talent zum Reimen definitiv nicht absprechen kann. Während sich im selben Moment Rattos Locos weiter zu einem der interessantesten Labels der Jetzt.-Zeit mausert. Somit hält man ein überdurchschnittliches Mixtape in den Händen, das seinen Preis wert ist und einen Rapper zeigt, der in der Lage ist, künftig noch so manches zu bewegen. Alleine aus diesem Grunde schon sollte man sich „Mischlingskind“ einmal zu Gemüte führen.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Samstag, 4. Dezember 2010

David Asphalt - Eine Maschine




David Asphalt kennt man oder eben auch nicht – noch nicht. Als Teil der Asphaltliteraten konnte sich der gute Mann bereits in das Blickfeld einiger rappen und hat Anfang Oktober mit „Eine Maschine“ sein erstes Soloalbum an den Start gebracht, das mit ganzen 21 Stücken äußerst umfassend daher kommt und mit Chakuza auch gleich einen äußerst namhafen Gast vorweisen kann. Ein großes Feature reicht aber natürlich bei weitem nicht, um ein gut hörbares Album abzuliefern und so darf man gespannt sein, wie sich David Asphalt auf seinem Erstlingswerk so schlägt.

Den Anfang macht „Ground Zero“ mit Chakuza im Schlepptau, ein angenehmer, wenn auch nicht herausragender Track, auf dem „Das Gleiche Spiel“ folgt. Dieses macht besonders von instrumentaler Seite aus betrachtet durchaus Spaß und beschert einem vier angenehme Minuten, die gekennzeichnet sind durch ein wohlbekanntes Sample aus Sam Cookes ‘Wonderful World’. Ansonsten gibt es in der Anfangsphase nur wenig Hervorhebbares. Die Beats sind in Ordnung, aber selten spektakulär oder einprägsam und David Asphalt reimt sich tapfer durch die Tracks, wirkt aber oft genug noch zu steif was das Reimen angeht und sorgt so auch für einen etwas monotonen Fortlauf des Albums.

Zur Mitte nimmt es dann wieder mehr an Fahrt auf und überzeugt wahlweise durch gelungene Instrumentalisierung („Blauer Stahl“) oder aber textliche Abwechslung wie auf „Schnaps“, in welchem David über Schnaps spricht, derart lobend und verliebt, dass man zunächst den Eindruck gewinnen könnte, der Text sei einer Frau gewidmet und somit ein herkömmlicher Track für die Herzdame. Nun überzeugt „Eine Maschine“ immer mehr und erreicht im hervorragenden „Der Rasenmähermann“ seinen absoluten Höhepunkt, der im Ohr hängen bleibt und schon beim ersten Hören voll und ganz zu überzeugen weiß. Und mit „Wie Die zeit So Schnell Vergeht“ und „Wenn Ich Schreib“ finden sich dann noch zwei Tracks, die textlich wie musikalisch eine durchaus gute Note verdient haben.

Alles in allem ist „Eine Maschine“ ein annehmbares Album, mit dem man zufrieden, wenn auch nicht vollends, sein kann. Es finden sich Representer, positiv gestimmte Songs und Tracks, bei denen das bewusste Zuhören nicht nur Sinn, sondern Spaß macht. Dass David Asphalt dabei als Rapper allenfalls eine durchschnittliche Figur abgibt, ist angesichts eines Solodebüts zu verschmerzen und lässt auf eine fortschreitende, positive Entwicklung hoffen. Denn das hier Gehörte birgt durchaus Potenzial und noch etwas Luft nach oben. Solide.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Freitag, 3. Dezember 2010

Inflabluntahz - Von Heute Auf Morgen (ft. Endaz)

Mittlerweile weiß wohl jeder halbwegs informierte Rap-Konsument über die außergewöhnliche Qualität von Nicoist und Franksta Bescheid. Andernfalls sollte man sich noch einmal die Reviews zu ihren Alben, zu finden hier auf 'Resurrection of Rap', zu Gemüte führen. Oder auf die 2011 erscheinende Vinyl warten, die noch einmal ein Best Of der beiden auffährt.

Um zur Abwechslung wieder etwas Hörbares zu bieten, habe ich mich dazu entschieden, dieses wunderbare Stück Musik über die Ungewissheit des Lebens zu posten. Der Beat, die Lyrics, alles versprüht einen Hauch von melancholisch bis ins depressive gehende Magie.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Pyro One - Die Mond Miniatur EP (Free Download)




Vor fast genau einem Jahr las man an selbiger Stelle eine Rezension zu "Tränen eines Harlekins" von Pyro One. Dieser wird in naher Zukunft seine neue LP "Irrlicht" an den Markt bringen, haut zuvor aber erst einmal noch eine 5 Tracks umfassende "Mond Miniatur EP" raus. Grund genug, sich damit die Wartezeit aufs nächste Album zu verkürzen, nicht zuletzt, da Pyro One in aller Regel gut ins Ohr gehende Musik veröffentlicht und die gute Sookee, hier als Teil von Deine Elstern, auf der Gästeliste steht.

Prinzipiell umsonst, kann man wahlweise auch einen kleinen (oder natürlich großen) Betrag bezahlen und so Pyro One und seine Musik zu unterstützen.

Hier geht es zum Download:

Pyro One - Die Mond Miniatur EP

Montag, 29. November 2010

B-Doub - Food For Thought




Dass guter Hip Hop nicht ausschließlich bekannten Quellen entspringt, ist bekannt und lässt sich allein mit einfachster Logik erklären, schließlich fing einst auch ein Nasir Jones oder Shawn Carter klein an. Dennoch erwartet man, oft zu Unrecht, von wenig bekannten Namen schlechte Aufnahmequalität, mäßige Skills, kurzum wenig Spannendes, dass man verpassen könnte. Aus Duisburg kommend, macht sich nun der Rapper/Produzent B-Doub daran, all diese Vorurteile für null und nichtig zu erklären – zumindest, was seine Musik betrifft. Beweis gefällig? Die Juice kürte sein Erstlingswerk „Jetzt Wird Tacheles Geredet“ 2007 zum 'Newcomer-Album des Monats'. Noch fragen an dieser Stelle?

Nach wie vor dennoch weitgehend unbeachtet, ließ sich B-Doub nicht lumpen und schaffte mit „Food For Thought“, wovon so manch anderer Künstler nur träumen kann und versammelt auf dreizehn Stücken Gästeliste-Plätze an Indie-Größen wie El Da Sensei, Wildchild, Edo G, Sadat X, Keith Murray oder Access Immortal, um nur ein paar zu nennen. Während also jeder Indierap-Fan bereits feuchten Höschens die CD in die Anlage schiebt, sprießen die Erwartungen in ungeahnte Höhen und jede Menge Hunger auf die Gedankennahrung. Der Titel des Albums scheint also bestens gewählt.

Wer noch immer keine Vorstellung davon hat, was ihn hier erwartet, der bekommt mit dem „Intro“ einen kleinen Aperitif serviert, ehe das gemeinsam mit Oddisee realisierte „All In A Days Work“ das frohe Treiben offiziell eröffnet mit einem zauberhaften Instrumental, welches in etwa so klingt, wie die Abschlussarbeit eines Boom-Bap-Studierenden, dessen Ziel nicht weniger als der Klassenprimus darstellt. Herrlich, zumal sich ein gelungenes Stück ans andere reiht und mit „Talk Of The City“ und der Kombo El Da Sensei und Internal Quest gleich das nächste große Ding raus gehauen wird.

Der Mittelsektor fällt mit „We Rock On“ von The Good People reichlich entspannt aus, das Zusammenspiel von A.G. und Edo G lässt keine Wünsche offen und Grauhaarträger Reks macht gemeinsame Sache mit Craig G und setzt dem Ganzen den Deckel auf. Dabei hat man den guten Access Immortal noch gar nicht zu Ohren bekommen, der auf „Crown Me King“ bezaubernde Streicher bezirzt und noch vor dem abschließenden Auftritt von Compton-Urgestein MC Eiht den Weg zum Resümee ebnet.

Was die Tracklist mit all ihren hochkarätigen Features bereits verspricht, hält diese auch im Praxistest und beherbergt eine ganze Sammlung hübscher Boom-Bap-Bretter, die in ihrer handwerklichen Umsetzung kaum Wünsche offen lassen und eingangs angesprochene Zielgruppe bestens bedient. Dazu die Cuts von DJ Devastate und fertig ist ein Album, das den Charme vom New York der Neunziger atmet, dabei aber dennoch frisch und überzeugend den Nerv des Hörers trifft und so für ein rundum wohliges Hörvergnügen sorgt.

Sonntag, 21. November 2010

Ice Cube - I Am The West




Blättert man in der Geschichte des Westküsten-Raps, wird man gezwungenermaßen auf Namen stoßen, an denen kein Weg vorbeiführt und ohne deren Mitwirken Rap heute weltweit nicht den Stellenwert hätte. Ice Cube etwa, der sowohl als Teil von N.W.A. für Furore sorgte, als auch auf Solowegen durch die Decke ging. Hinzu kommen respektable Erfolge im Bereich der Schauspielerei und ein eigenes Label namens Lench Mob Records, über welches zuletzt mit „I Am The West“ auch das bis dato letzte Album des Eiswürfels aus Crenshaw, L.A., erschienen ist. Wie viel Energie und vor allem Leistungsbereitschaft diesem noch innewohnt, erschließt sich dann beim Hören der 16 Anspielpunkte.

Zu Beginn erwartet den Hörer zumindest Schmackes – Cube startet angenehm aggressiv und macht dabei keine Gefangenen, so dass „Soul On Ice“ und das mit Jayo Felony und WC aufgenommene „Life In California“ auf Anhieb überzeugen können. Selbiges lässt sich von den folgenden Tracks leider nur bedingt sagen, insbesondere die Kollaborationen mit OMG und Doughboy klingen ebenso wenig spannend, wie sie sich als Teil der Tracklist lesen. Das Album läuft nun geradewegs in eine entscheidende Phase ein, in der der Zuhörer allmählich die ersten Eindrücke zu einem vorläufigen Resümee zusammennimmt.

Weshalb „I Rep That West“ genau zum richtigen Zeitpunkt einsetzt und gemäß dem oft zitierten ‘old but gold’-Ansatz umsetzt, der in Folge des außerordentlich stramm gehenden „No Country For Young Men“ konsequent fortgesetzt wird. ‘I’ma kill one of you young punks with a old school flow’ heißt es dort zu Beginn und man ist geneigt, ihm dies für die folgenden Minuten zu glauben. Weiterhin überzeugt auch das gefasste „Hood Robbin’“ und „Your Money Or Your Life“, beide Male gibt Ice Cube eine gute Figur ab und sorgt so trotz einiger durchschnittlicher Tracks für einen zufriedenstellenden Abgang.

Als kleine Randnotiz bleibt festzuhalten, dass einige der Tracks verhältnismäßig kurz sind und die Drei-Minuten-Marke nicht erreichen, was dem Album wiederum etwas vom Studioalbum-Charakter nimmt und mehr den Eindruck eines hochwertigen Mixtapes erweckt. Ob man das nun mag oder nicht, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, zumal die Länge der Songs unterm Strich keinerlei Aussagen über die Qualität machen. Höchstens die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnisses könnte dadurch zunächst auf den Tisch kommen. Sei es drum.

„I Am The West“ ist ein weiteres Werk in der bemerkenswerten Historie des O’Shea Jackson und weiß in seiner Gesamtheit immernoch des Öfteren zu überzeugen, wenngleich die hin und wieder ans Tageslicht scheinende Durchschnittlichkeit kaum von der Hand zu weisen ist. Ice Cube wird seinen Platz im Schaukelstühlchen, bewaffnet mit Flinte, nicht ohne Weiteres an über motivierte Jungspunde abgeben und sorgt als verdienter Veteran für klare Verhältnisse in und um L.A. - muss man nicht bedingungslos lieben, aber sollte man definitiv nicht vorschnell als uninteressant abtun.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Montag, 15. November 2010

Robby Gentle - 1 Zu 0 Für Mich EP (Free Download)




Für gewöhnlich werden an dieser Stelle eher selten Sachen vorgestellt, die zum freien Download verfügbar sind. Das liegt nicht etwa daran, dass so wenig qualitativ Erwähnenswertes erscheint, sondern vielmehr daran, dass mir die Zeit und der Überblick fehlt, mich genauer umzuhören. Nun bin ich jedoch auf Robby Gentle, aus dem Baden-Württembergischen Reutlingen kommend, gestoßen, der mit seiner Free-EP „1 Zu 0 Für Mich“ und den darauf enthaltenen acht Tracks mächtig Eindruck macht.

Schon der Opener „Jeder“ weist in die richtige Richtung und lässt die Ambitionen von Robby erkennen: gute, kräftige Stimme, die sich aus der Masse hervorhebt und ein sauberer Flow, der angenehm und ungezwungen wirkt. Zwei wesentliche Eigenschaften, die einen guten MC ausmachen und das hat offenbar auch Kaas erkannt, der sich auf einem der Tracks die Ehre gibt.

So entstand mit „Balboa und Kaas“ das klare Highlight der Platte, bei dem vom hoch gepitchten Vocalsample über den Beat bis hin zu Robbys und Kaas Performance nun wirklich alles passt. Aber auch ein „Hoch Damit“ weiß zu überzeugen. Ein Track, der gute Laune verbreitet und als entspannte Atmosphäre verbreitender Song sicherlich sehr gut live funktioniert. Beattechnisch darf man auch das abschließende „Eins Zu Null“ an vorderster Stelle mit aufzählen, wodurch ein rundum gelungenes Fazit übrig bleibt:

Handwerklich sehr fein umgesetzt und völlig gratis, sollte man nicht lange zögern und Robby Gentle auf seinem Weg unterstützen. Ein Kantersieg scheint auf lange Sicht nämlich durchaus denkbar.

Download: Robby Gentle - 1 Zu 0 Für Mich

Sonntag, 14. November 2010

Gucci Mane - The Appeal: Georgia's Most Wanted




Rap aus dem Süden hatte es nicht immer leicht, Rapper aus dem Süden schon gar nicht. Und doch mauserte sich der dreckige Süden dank zahlreicher herausragender Acts zu einer Anlaufstelle für Rap-Verrückte. Besonders Atlanta gleich seit geraumer Zeit einer Pilgerstätte für aufstrebende Künstler, die es oft genug schaffen, einen veritablen Hit zu landen, danach aber in der Versenkung verschwinden. Nicht so Gucci Mane, der längst zu einer festen Größe gewachsen ist und im Sekundentakt Mixtapes raushaut, auf denen von Zeit zu Zeit auch Alben folgen. So etwa „The Appeal: Georgia’s Most Wanted“, der jüngste Streich des Mannes, dessen Name nach Krokodil-Leder klingt und dessen Konflikte mit der Justiz immer wieder eine neue Hürde darstellen für den Künstler und CEO von 1017 Brick Squad (ehemals So Icey Entertainment).

Ungeachtet dessen ist Gucci zu der Sorte Rapper zu zählen, die man liebt oder hasst. Auf der einen Seite eine ganze Sippschaft treuer Fans, die jeden Wurf ins Plattenregal aufs Äußerste feiert. Auf der anderen genügend Stimmen, die sich negativ über die eingeschränkte Thematik von Trap Musik äußern. Dass daran die hier dargebotenen fünfzehn Stücke etwas ändern werden, bleibt anzuzweifeln, soll an dieser Stelle aber auch nicht weiter beschäftigen. Konzentriert man sich nämlich auf die Musik selbst, rollt einem schon im ersten Augenblick einiges vor die Front, das man nun wirklich nicht verpassen sollte. Der Beat von keinem Geringeren als Darkchild geschustert, das Feature vom hier bärenstarken Bun B besorgt und Manne selbst, so lässt sich „Little Friend“ beschreiben, mit dem es sich gediegen vorfahren lässt.

Bereits hier lässt sich erkennen, ob man den richtigen Moment für eine Portion Gucci Mane erwischt hat, oder doch besser bei etwas anderem bleibt. Wer zu Ersteren gehört, darf sich glücklich schätzen, denn ein großes Ding folgt auf das Nächste. „Trap Talk“ knüpft nahtlos an den Opener an und baut die erschaffene Stimmung weiter aus, ehe die Stimmung schließlich im irgendwie absurden , zugleich aber ungemein wirkungsvollen „Making Love To The Money“ gipfelt. Keine Frage, da begreift auch der langsam Denkende ohne Mithilfe von Swizz Beatz und Blick auf die Uhr, was die Stunde geschlagen hat: „Gucci Time“.

In der zweiten Hälfte des Albums schleichen sich dann aber erste Schlaglöcher in den Asphalt ein. Während „Remember When“ mit Sextape-Promi Ray J zwar reichlich weichgespült um die Ecke biegt, aber direkt ins Ohr geht und somit die Meinungen teilt wie Gucci selbst, kann man nur wenig Positives über die zweite Zusammenarbeit mit Swizz Beatz, „It’s Alive’, sagen. Öde, weil total uninspiriert und lieblos, büßen beide an dieser Stelle einige Formpunkte ein. Auch „Weirdo“ oder das Wyclef Jean-Feature auf „Odog“ fegen eher einmal kurz durchs Gehör, ohne sich dabei in irgendeiner Weise festzusetzen.

Zum Ende in findet man aber wieder auf einen allemal guten Weg zurück und beschert mit „Dollar Sign“ noch mal ein sicheres Ding, mit „Grown Man“ sogar eine echte Überraschung im Zusammenspiel mit Estelle, die wieder einmal ihren American Boy gefunden zu haben scheint. Hier zeigt sich vielleicht mit am Deutlichsten, dass ein Aufenthalt hinter schwedischen Gardienen so seine lieben Spuren im Gedankengut hinterlassen kann und im besten Falle zur Einsicht, Abkehr und Reife führt. Ein Ende, mit dem es sich als Hörer sehr gut hören lässt und den insgesamt gelungenen Eindruck des Albums widerspiegelt.

„The Appeal“ ist wird wohl kaum in die Annalen der Geschichte eingehen und die Gegner von Gucci Manes Musikentwurf haben nach wie vor ihre festen Standpunkte, an denen auch vereinzelte, inhaltlich gefestigtere Stücke und ein neptunes-Beat nichts Wesentliches verändern können. Dass es bei Fans von ‘Georgias Most Wanted’ ohnehin auf der Einkaufsliste steht, ist ebenso als sicher zu werten. Doch auch wer bislang wenig von ihm hielt, erhält mit „The Appeal“ die Chance seinen Eindruck zu verbessern, denn das hier ist alles andere als schlecht.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Shad - TSOL




Es gibt Rapper, die einem das Gefühl vermitteln, etwas Besseres zu sein als man selbst. Und man nimmt es ihnen, womöglich auch nur unbewusst, hin und wieder sogar ab. Der im Lamborghini sitzende, mit Diamanten behängte Sprücheklopfer hat eben nur wenig gemeinsam mit dem kaufmännischen Auszubildenden, der immer noch mit dem Bus zur Arbeit fährt. Von Zeit zu Zeit gibt es dann jedoch auch jene Künstler, die derart bodenständig und gesittet daher kommen, dass sie genau so gut direkt nebenan wohnen könnten, ohne künstliches Posieren und herablassende Sprüche . Künstler wie der aus Kanada stammende Shad, der dieser Tage sein drittes Soloalbum auf den Markt bringt, nachdem der Vorgänger „The Old Prince“ bereits als Klassiker der Neuzeit gehandelt wird.

Bereits die ersten Minuten zaubern jedem halbwegs leidenschaftlichen Rap-Hörer ein Lächeln ins Gesicht und angesichts der insgesamt dreizehn Anspielpunkte fühlt man sich, was Vorfreude angeht, wieder in frühe Kindheitstage versetzt, als man es kaum mehr bis zur weihnachtlichen Bescherung ausgehalten hat. Dass hier erneut außerordentliche Qualität im Spiel ist, ist zu diesem Zeitpunkt bereits offensichtlich und das Einzige, was den Eindruck von „TSOL“ ein klein wenig trüben könnte, wären allenfalls die vom Vorgänger her resultierenden Erwartungen. Shad entgegnet diesen mit einer sympathischen Unverfrorenheit und zimmert mit „Rose Garden“ gleich mal eines dieser bezaubernd zeitlosen Stücke hin, die neben grandioser Produktion auch reichlich gehaltvolle Zeilen beinhalten.

Ein derartiges Komplettpaket in einem einzigen Song wiederzufinden, ist eine reife Leistung und im vorliegenden Falle fast schon ein Markenzeichen des Kanadiers. Man führe sich nur das kurz darauf folgende „Lucky 1’s“ zu Gemüte, welches nahezu vollkommen scheint. Hier wird jeder einzelne Track noch liebevoll arrangiert und ausproduziert, fernab jeglichen Zeitdrucks und Kommerzdenkens. Der Song, kein bloßer Minutenfüller unter vielen, sondern ein für sich stehendes, zu einem großen Ganzen gehörendes Puzzleteil. Eine Erkenntnis, zu der neben Kritikern und Konsumenten, die das Album in Kanada auf einen beachtlichen Platz 24 hievten, auch Kollegen wie der ebenfalls herausragende Classified kommen, der das hypnotisch wirkende „A Good Name“ produzierte.

Selbst das als Interlude gekennzeichnete „Call Waiting“ entlockt dem Zuhörer ein ernstgemeintes ’schön’. Womit man allmählich auch den Kern des Albums ausmacht: das Grundgerüst von Shads Musik ist an sich betrachtet recht simpel gestrickt, funktioniert aber in dieser Form überragend. Das liegt zum Einen an Shads wirkungsvollen Texten, die den Weg in den Gehörgang auf Anhieb finden und an der Liebe für die Sache, die aus jeder Sekunde Spielzeit rinnt. Lieblos dahin geklatscht geht jedenfalls anders und so ist man geradezu überwältigt vom geerdeten Charme des Langspielers.

Dieses Album mit „The Old Prince“ zu vergleichen, macht am Ende des Tages nur wenig Sinn. Nicht nur liegen zwischen beiden LPs gut drei Jahre, in denen ein Künstler wie Shad weiter reift. Auch sind beide für sich genommen großartig und bedeutsamer als so manche Diskographie von Kollegen. Ein rundes Albums, das in keinster Weise steril oder konstruiert wirkt und einem stets vor Augen führt, warum man gerade Rapmusik zu ’seiner’ Musik auserkoren hat. Klasse Album eines klasse Künstlers.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Freitag, 12. November 2010

SK-Crew - SK-Lation




Vor Kurzem fand sich an selbiger Stelle bereits das „Sweet Whiskey“-Video und nun folgt auch prompt die Rezension zum Album der Baden-Württemberger, „SK-Lation“ genannt, und stellt gleich richtig, dass in BaWü derzeit längst nicht alles aus Streiks und Protestaktionen besteht. Denn SK steht für SprücheKüche und das hier aufgebotene, fünfzehn Tracks starke, Süppchen hat ganz andere Ansprüche, als miese Stimmung unter die Menschen zu bringen. Zeit, einzutauchen in die Welt der SK-Crew und sich einen genaueren Eindruck zu verschaffen, denn: „DIE SPRÜCHEKÜCHE FEIERT AUCH OHNE DICH ABER VIEL LIEBER MIT DIR!!„

Angesichts des bereits angesprochenen Videos muss man kein Prophet sein, um die grobe Richtung des Albums herauszulesen: feierlustig, liquide und gut gelaunt. Quasi der Gegenentwurf zur sonst überwiegend ernüchternden und pessimistischen Stimmung, dem Wetter,...ihr wisst Bescheid. So bringt das Intro bereits einiges in Bewegung, was vor allem dem orientalisch angehauchten Instrumental geschuldet ist, welches ordentlich Druck macht, sowie die richtige Atmosphäre für Folgendes schafft. Eben genau das, was eigentlich Aufgabe eines Intro sein sollte; die ersten Minuten gelungen.

Im Laufe der Spielzeit gesellen sich weitere Partystücke hinzu, die in aller Regel bereits im Titel die Stoßrichtung erkenntlich machen und von den beiden MCs Sebo & MC Pohse mit Reimen versehen werden, die die große Feierei unterstützen, aber sowohl inhaltlich als auch technisch weniger für Aufsehen sorgen. Dass dies aber kein Hindernis darstellen muss, bewiesen bereits andere vor ihnen, man frage nur mal die Atzen. Simpel, aber wirkungsvoll, so könnte man das Ganze umschreiben und so ist man voll dabei, wenn es auf „Fette Schenkel“ ans Eingemachte geht.

Im Gedächtnis bleibt auch „Chill“, ein unscheinbar betiteltes Stück, das aber durch einen ungemein netten Beat überzeugt und im Zuge dessen man ein großes Kompliment an Nes aussprechen muss. Dieser produzierte sämtliche Beats und diese sind in aller Regel durch die Bank frei von Tadel und verfehlen selten bis nie ihr Ziel. Beide Daumen hoch dafür und keinesfalls das gut gefüllte Gläschen vergessen, der Pegel will schließlich gehalten werden. Was jedoch nicht bedeuten soll, die Instrumentale würden nur im angeheiterten Zustand gefallen, auch nüchtern ist man voll des Lobes.

Kommen wir also ohne große Umwege zum Fazit: Wer auf poetische Lyrics wert legt und/oder ein melancholisch düsteres Klangbild, der sollte sich anderweitig umsehen. Wer jedoch gerne auch mal die lyrische Finesse bei Seite lässt, um hemmungslos auf dem Tresen herum zu torkeln, während Sattes aus den Boxen knallt, der ist bei der SK-Crew genau richtig. Anders ausgedrückt: durchschnittliche Raps treffen auf tanzbare, hochklassige Produktionen und herausgekommen ist der inoffizielle Soundtrack für Feierwütige, der sich besonders gut in der Phase des Vorglühens macht.

Dienstag, 9. November 2010

Jai spricht: über Musikkonsum

Es ist mal wieder an der Zeit, meine Gedanken in die virtuelle Welt hinaus zu tragen. Dieses mal geht es um die Hörgewohnheiten und die Art und Weise wie Musik konsumiert wird. Ein Thema, das mich stets bewegt und mit Sicherheit schon in dem ein oder anderen Post von mir herauszulesen war. Entschuldigt, wenn ich mich daher des Öfteren wiederhole. Doch nun zum eigentlichen Thema:

Der Musikmarkt ist größer denn je und fährt im wöchentlichen Rhythmus die nächsten Jünglinge auf, die fortan als nächstes großes 'Ding' gefeiert werden, ein sog. Hype entsteht. Mehr Künstler und weniger Plattenverkäufe, Teilschuldner ist das Internet, welches neben etlichen illegalen Möglichkeiten längst auch mit iTunes und ähnlichen Anbietern virtuelle Shopping-Möglichkeiten anbietet, ohne das ein physischer Tonträger über den Tisch wandert. Hinzu kommen Tausende von vorab veröffentlichten Tracks eines erwarteten Albums, Free Tracks und Alben, Exklusives,...Musik wohin das Auge bzw. Gehör reicht.

Dabei den Überblick zu behalten ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich und fordert so und so Opfer. Du willst über jeden neuen Track im Netz Bescheid wissen und ihn unmittelbar nach Erscheinen hören, jedes Album am (oder vor?) VÖ-Termin durchgehen? Dann musst du jeden Tag weiter gehen und gibst somit den bereits erschienen Stücken keine Gelegenheit, sich zu etwas Besonderem zu entwickeln, Klassiker vergangener Tage zu feiern oder einfach mal in anderen Gewässern (sprich Musikgefilden wie Rock) zu fischen. Der Konsum kommt einem Wettlauf nahe, dessen Ziel eine möglichst aktuelle Playlist ist und die Musik selbst verkommt und nimmt an Wert ab.

Eine andere Möglichkeit ist das im Gegensatz dazu fast schon rückwärtsgewandte Hören. Tracks aus dem Internet werde eher sporadisch gehört und Alben auch gerne mal erst Monate nach Erscheinen gekauft bzw. erstmalig gehört. Und dazwischen werden immer wieder gern gehörte Langspieler aus der persönlichen, zeitlosen Favoritenliste in die Anlage gelegt. So stellt man zum Einen sicher, den Alben genügend Zeit zu geben, sich zu entfalten, die Arbeit der Künstler wird in gewisser Weise höher geschätzt und das Hören kommt einem Studieren gleich, wie man es noch zu Zeiten von "Ready To Die", "Illmatic" oder Alben ähnlichen Kalibers tat. Zum anderen jedoch nimmt man den Blick weg von aktuellen Entwicklungen und hinkt den Foren dieser Welt stets hinterher. Ehe man bei Album A von Künstler B mitreden kann, hat dieser bereits Album C veröffentlicht.

Letztlich ist es jedem selbst überlassen, wie er konsumiert, wichtig ist lediglich, dass die Arbeit der Künstler nach wie vor gebührend honoriert wird. Dass ist nicht immer ganz einfach, zumal sich mittlerweile Rapper selbst dafür loben, ganze Alben innerhalb weniger Stunden aufzunehmen. Aber ohne dieses Bewusstsein verkommt der Hauptdarsteller, die Musik, allmählich zum belanglosen Statisten und das möchte wohl niemand, dem etwas an Klängen und Tönen liegt, bewusst zulassen.

Sonntag, 7. November 2010

Lil Wayne - I Am Not A Human Being




Hand aufs Herz, die Wiedergeburt des krächzenden Vogelmann-Schützlings war ein musikalischer Rückschritt und scheiterte sowohl angesichts übermäßig hohen Erwartungen als auch in der Umsetzung des Rock-Elementes. Da weckte die Ankündigung des neuen Albums nicht gerade Vorfreude und deutete schon im Titel gepflegten Größenwahn an, welcher allmählich über das gewohnte Maß hinauszuschießen droht. Selbst das Cover assoziiert man mit dem verhunzten „Rebirth“ und irgendwie geht man mit einem mulmigen Gefühl an die 13 neuen Stücke heran. Andererseits handelt es sich hier um eine der polarisierenden Charakter, der mit jeder Silbe immer noch mehr bewegt, als mancher Kollege auf Albumlänge. Und Wayne wäre nicht dort wo er ist, wüsste er nicht auch von eben dieser Fähigkeit Gebrauch zu machen.

Keine Minute muss vergehen, ehe man zum ersten Mal ernsthaft realisiert, dass hier wieder etwas mehr gehen könnte. „Gonorrhea“ ist, wenn auch eigenwillig betitelt, ein ordentlich voranschreitender Beat mit einem menschlichen Swagger-Sprenkler in Form von Weezy und einem Drake-Feature, auf das man an dieser Stelle fast schon hätte verzichten können, wirkt es doch mehr als überflüssige Dreingabe, denn als prägendes Element innerhalb des Songs. Sei es drum, denn schon mit „With You“ formiert sich das Team Carter/Graham auf ein Neues und schraubt einen gelungenen Slow Jam, der durchaus zu gefallen weiß.

Selbst die inzwischen beinahe verhassten Gitarrenriffe schaffen es, auf dem Titeltrack einen abwechslungsreichen Trip zu veranstalten, der schlüssiger wirkt als der Großteil der „Rebirth“-Stücke. Und wo wir schon beim Thema sind, auch die längst nicht unbestrittene Nicki Minaj sorgt mit ihrer Performance auf „What’s Wrong With Them“ für gesteigerte Neugierde auf deren Solowurf. Überhaupt schaffen es wieder mehr Stücke in die Region zwischen tauglich und gut, darunter „Right Above It“, „I Don’t Like The Look Of It“ und die beiden Young Money-Dinger. Genügend Gründe, wieder etwas freundlicher drein zu blicken beim Anblick des Ex-Häftlings.
Zwar ist es noch ein gutes Stück hin bis zur einstigen Höchstform, doch hier und da blickt wieder etwas von dem auf, was man an Lil Wayne einst schätzte, bevor das ziellose Gekrächze auf Rockbeats seinen Lauf nahm. Ironischerweise hätte man die Titel von „Rebirth“ und vorliegendem Album auch tauschen können, entspricht dieser Entwurf weit mehr einer musikalischen Wiedergeburt. Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht mit Mr. Carter und was er uns mit seinem vierten „Carter“-Teil aufs Tablett zaubert – vollwertige Kost oder abgemagerte Ausschussware.

Auch „I Am Not A Human Being“ wird in der mittlerweile ansehnlichen Diskographie von Birdman Junior keinen Platz an der Sonne erhalten. Der Trend zeigt jedoch wieder klar in die richtige Richtung und gibt Grund zur Hoffnung, dass da noch das ein oder andere Hörenswertes auf Albumlänge erscheinen wird. Lediglich der Albumtitel selbst ist eine klare Falschaussage; Wayne ist menschlich wie wir alle und wie jeder von uns durchlebt er Höhen und Tiefen. Ein Glück nur, dass er die Bergausrüstung wiedergefunden zu haben scheint. Nicht überragend, aber im Kern recht ordentlich.
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Group Home – Gifted Unlimited Rhymes Universal




Man hatte es dieses Jahr nicht leicht als Gang Starr-Sympathisant, als Mitte April die traurige Nachricht vom Tode Keith Elams, besser bekannt als Guru, bekannt wurde. Der Krebs hatte ihn besiegt und mit ihm verschwand auch der letzte Tropfen Hoffnung auf einen weiteren Gang Starr-Release. Das alles ändert jedoch nichts am Stellenwert, denn der Stellenwert Gurus zeit seines Lebens und darüber hinaus, ist ein zentrales Kapitel in den Chroniken des Hip Hop. Und auch Lil Dap und Melachi the Nutcracker haben einen ihrer wichtigsten Kollegen nicht vergessen und widmen diesem gleich ein fünfzehn Stücke starkes Album. Ein kleiner Grund zur Freude innerhalb der Gang Starr-Sippschaft?

Wie so oft, überwiegt zunächst einmal ein Gefühl der Freude, hat man Group Home doch noch immer unter solidem Eastcoast-Rap gespeichert, der im Idealfall gleich vom Meister selbst, die Rede ist von Premo, produziert wird. Dieser hat für vorliegendes Album zwar lediglich einen Beat beigesteuert, dafür kommt noch einmal bzw. dreimal zu Wort und auch Jeru The Damaja, Lord Jamar und Grinsekind Smiley sind mit von der Partie. Das liest sich alles ebenso ordentlich, wie es sich auch anhört. Besonders die beiden ersten Tracks, das mit Jeru eingespielte „G.U.R.U.“ und „Pay Attention“ mit Smiley und Guru fahren wohlwollend ein. Letzterer Track vor allem wenn noch einmal diese einzigartige Stimme von Guru selbst ertönt.

Vollauf zufrieden mit den ersten Minuten, überkommt einen jedoch von Anspielpunkt zu Anspielpunkt das dumpfe Gefühl auf, hier ansonsten nur wenig Spannendes zu erleben. Gründe dafür sind wahlweise Kleinigkeiten wie die sehr dünne Hook auf dem ansonsten noch tauglichen „Up Against The Wall“ mit MC Ace und Lord Jamar oder aber schwere Schnitzer in Sachen Beatauswahl. Gerade der von Features befreite Mittelteil ist stellenweise anbiedernd langweilig und taugt allenfalls als Hintergrundbeschallung denn als in den Bann ziehende, bangende Rapmusik aus dem Big Apple. Schade, beweist doch die Anfangsphase, dass es durchaus besser gehen könnte.

Wenigstens zum Ende hin bekommt der Hörer noch einmal solides Material zugespielt. „The Legacy“ ist nicht nur vom Instrumental her wieder ein gutes Stück besser als Vorangeganges – kein Wunder, hatte hier doch DJ Premier selbst die Finger an den Reglern, sondern fährt erneut ein paar Verse von Guru auf, so dass ein Hauch von Gang Starr-Atmosphäre in der Luft hängt, von dem auch das direkt anknüpfende „Be Like That“ im Ansatz profitiert und schließlich zum dritten und letzten Mal die Bühne räumt für Gifted Unlimited Rhymes Universal.

Group Home liefert mit „Gifted Unlimited Rhymes Universal“ ein durchschnittliches Album ab, welches gut gemeint ist, aber aufs große Ganze betrachtet doch alles andere als relevant erscheint. Insofern ist es ein Album für Puristen und ein Denkmal an eine der großartigsten Stimmen, die Hip Hop jemals gehört hat und jeder Kauf unterstützt zu einem Teil den Treuhandfonds von Gurus Sohn. Ein weiterer Kaufgrund für ein ansonsten überschaubares Album, das ohne den Geist von Keith Elam kaum im Gehörgang hängen bleibt.
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Sonntag, 24. Oktober 2010

Blumio - Tokio Bordell




Es gab eine Zeit, da war Hip Hop geradezu langweilig und man fühlte sich regelrecht dazu gedrängt, sich dem allgegenwärtigen Straßenrap hinzugeben. Und dann tauchte inmitten dieser kargen Umgebung ein Düsseldorfer Rapper japanischer Abstammung auf, imitierte seine Lieblingsrapper grandios und brachte damit den so vermissten frischen Wind in die ganze Sache. Lange wurde ebendieser Künstler allein darauf reduziert, doch spätestens seit dem letzten Jahr weiß auch die Freundin deines Freundes Bescheid wer Blumio ist und was er, außer imitieren, noch so alles kann. Das „Yellow Album“ bot illustren Humor, doppelten Boden und schlicht brillante Unterhaltung, die kreativer kaum sein hätte können und forderte von Seiten der Hörerschaft lediglich die richtige Stimmung ein, um sich solch ein massives Werk der Doppeldeutigkeit und verwinkelten Aussagen genüsslich in den Gehörgang zu blasen.

Und nun, nach gerade einmal etwas über einem Jahr, ist Blumio wieder da und veröffentlicht über sein Label Japsensoul 20 neue Stücke, davon drei Bonus Tracks, unter dem vielsagenden Albumtitel „Tokio Bordell“. Viel verändert hat sich in dieser Zeit auf den ersten Blick nicht. Blumio ist noch immer der schräge Vogel, der vor keinem Thema zurückschreckt, Don Tone (aka Rusbeh) noch immer der Mann für die Produktionen und der Käufer derjenige, der gespannt die CD in die Anlage legt um endlich zu erfahren, was für neue Irrgarten es zu durchlaufen, welche Doppeldeutigkeiten es zu verstehen gilt. Das Ganze verpackt im schicken Digipak mit bunt gestaltetem Booklet und separatem Songbuch, macht dabei im Vorfeld einen außerordentlich sauberen Eindruck.

„Tokio Bordell“ selbst startet nach Intro mit der ersten Single-Auskopplung „Eberhard“, einer humorvollen Geschichte über (falsche) Internetbekannt- und Liebschaften, die nicht nur sehr aktuell wirkt, sondern ganz nebenbei auch ein wenig die Jugend auf die Schippe nimmt. Zeitlos hingegen die Ode an den Waschbärbauch. Wer Blumios „Streichel Meinen Bauch“ lauscht, der verliert binnen Sekunden den Wunsch nach Sixpack und gibt sich zufrieden mit seinem Bäuchlein. Komplettiert wird der gelungene Start durch „Grenzenlos“, das Jessica Jean als Feature aufweist, die im Laufe des Albums gleich mehrmals als einziger Gastakteur in Erscheinung tritt.

Im weiteren Verlauf des Albums gibt es „Der Ehrlichste Song Der Welt“, bei dem Blumio ganz ohne Scham und völlig offen zu einem spricht. Den hervorragend funktionierenden Storyteller „Hab Keine Angst“, „So Geht Hip Hop Heute“ und „Die Welt Ist Schwul“, eines eben dieser Stücke, die weit mehr zu sagen vermögen, als man es beim bloßen Zuhören der Texte wahrnehmen kann. Wem das zu hoch ist, dem sei „Sie Ist Nicht Du“ ans Herz gelegt, denn Blumio, der kann auch über Liebe sprechen ohne langweilig zu klingen. Und im Gegensatz zum „Yellow Album“ wirkt „Tokio Bordell“ gleich noch ein gutes Stück musikalischer, weiterentwickelter und überlegter, kurzum besser.

Man attestiert gerade Rappern gerne einmal kreativen Stillstand, spricht von unerreichbaren Debüts und mäßigen Nachfolge-Alben und dem steten Wiederholen und neu aufsetzen alter Geschichten. Und hat damit nicht selten Recht. In Blumios Falle jedoch zeigt sich ein gänzlich anderes Bild: die Beats sind nach wie vor kreativ, aber leichter verträglich (ob es an der Tatsache liegt, dass vieles live eingespielt wurde?). Blumio nach wie vor intelligent witzig und mit grenzenlosem Themenkomplex ausgestattet, aber noch ein Stück gereifter, als noch auf „Yellow Album“. Und „Tokio Bordell“ selbst ist irgendwie immer noch grandios anders als der Großteil vom Rest plus dem ein oder anderen Song mit Chart-Potenzial. Blumio, ein einzigartiger Akteur, der mit jedem Album seinen Weg geht und dieser, so scheint es als Außenstehender, ist goldrichtig. Für ihn, für uns und überhaupt für die Musik.
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SK-Crew - Sweet Whiskey (Video)

Um die Zeit bis zur nächsten Review ein klein wenig zu verkürzen, zur Abwechslung mal wieder ein kleines Video. Dieses Mal von der SK-Crew, die mit 'Sweet Whiskey' das bestens bekannte Original von Lynyrd Skynyrd, wie auch schon Kid Rock, neu aufgreift. Die Reime sind dabei nicht ganz glatt und holprig, als solider Mitgröhl-Soundtrack zum liquiden Wochenend-Ausflug taugt das Ganze aber wohl dennoch.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Harris - Der Mann Im Haus




Rap-Deutschland mangelt es, glaubt man der Stimme der Allgemeinheit, an so manchem und alleine die Frage darüber, was genau denn alles fehle, füllt bereits seitenweise Foren. Was sich mit Sicherheit sagen lässt; an Rappern mangelt es wirklich nicht, diese gibt es wie Sand am Meer. Alleine die Hauptstadt bietet einen fast schon unüberschaubares Angebot an Rappern – da aus der Menge herauszustechen. Harris ist dies einst mit augenscheinlich spielender Leichtigkeit gelungen und gehört seither zum Stammpersonal deutschen Sprechgesangs. 2010, gut sieben Jahre nach seinem Debüt „Dirty Harry“, legt einer deiner Lieblingsrapper mit „Der Mann Im Haus“ dreizehn neue Stücke über Murderbass ab und erweitert somit seine Diskographie auf zwei Soloalben aus.

Wer dabei einen albernen und dumm daher redenden Wirrkopf erwartet, der ordentlich die Lachmuskeln beansprucht, dabei aber inhaltlich eher einfachere Wege geht, wird überrascht sein, was der Rapper/DJ/Schauspieler/Familienoberhaupt auf „Der Mann Im Haus“ anstellt. So ist der Beginn mit „Auf Keinen“ zwar noch durchaus simpel gestrickt, wenngleich dieser bereits einiges in Bewegung bringt, doch schon die folgenden Stücke bewegen sich in eine musikalisch weitaus anspruchsvollere Seite. „Dein Mann Sein“ mit einer astreinen Hook von J-Luv und „Für Die Familie“ mit Muhabbet verdeutlichen klar den Kern des Albums: thematisch ernster, ohne verkrampft zu wirken.

Ein Konzept, das im bereits im Vorfeld immer wieder diskutierten Track „Nur Ein Augenblick“ gipfelt, dem lyrischen Meisterstück des Albums. Auf diesem ruft Harris zu mehr Integrationswillen auf und bekommt dabei, wie fast immer, das passgenaue Instrumental von KD-Supier (bestens bekannt durch seine Arbeiten mit Megaloh) geschneidert, der mit einer Ausnahme das gesamte Album produziert hat und nicht selten genau ins Schwarze trifft. Große Rap-Kunst, die sich abwechselt mit Harris’ klassischeren Tracks wie „Urinstinkt“ oder „Trinke Nie Wieder“, letzteres inklusive Konsum-Tipps vom Fachmann. Addiert man dazu noch das großartige Feature von Harris’ Ehefrau Bintia auf „Freunde“ und den Auftritt vom zweiten Lieblingsraper sido auf „Stell Dir Eine Welt Vor…“, mit welchem die Horrorvorstellung schlechthin umschrieben wird, ergibt das in der Summe eine überaus gelungenes, überraschend reifes Album.

„Der Mann Im Haus“ ist, obwohl man von Harris in der Regel gute Unterhaltung erwarten darf, eine der Überraschungen der jüngeren Zeit. Prägnanter Flow samt charismatischer Stimme plus Qualitätsinstrumentale. Inhalte aus dem alltäglichen Leben plus (von Gästen) gesungene Hooks und dazwischen der gewohnte Wahnsinn des GBZ-Oholikas. Ein geglückter Mix aus neuen und alten Zutaten, den zu mehreren Hördurchgängen geradezu einlädt und Harris’ Status im Spiel weiter ausbaut. Ein klares ’sehr gut’ und eine Empfehlung wert – Reinhören lohnt.
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Sonntag, 17. Oktober 2010

Wieder da & neue Ankündigungen

Liebe Leser,

nach gut einem Monat der Stille aufgrund privater Verpflichtungen, ist es nun wieder an der Zeit, für den Fortbestand von 'Resurrection of Rap' zu sorgen. Für Rezensionsmaterial ist bereits gesorgt und ihr könnt euch unter anderem auf folgende Besprechungen freuen:

Blumio - Tokio Bordell
Harris - Der Mann Im Haus
David Asphalt - Eine Maschine
Group Home - Gifted Unlimited Rhymes Universal
Shad - TSOL

Sonntag, 12. September 2010

Rick Ross - Teflon Don




Da ist er wieder, der bestens bekannte Bartträger und Maybach-Sympathisant, der allem Anschein nach nicht nur beim Pulver verticken mit absolutem Ehrgeiz bei der Sache ist und so auch musikalisch in schöner Regelmäßigkeit seine Alben auf den Markt befördert. Sowie letztlich auch immer wieder im Rampenlicht steht, egal ob einer verbalen Auseinandersetzung mit Kollegen oder die groß aufgetragene Diskussion über das Dealer-Image. Uns soll es egal sein, am Ende des Tages zählt nur das was auf den Tisch kommt und im vorliegenden Falle handelt es sich um „Teflon Don“ und die darauf enthaltenen 11 Stücke plus einer ordentlichen Anzahl namhafter Gastspieler. Kleine Börtchen werden jedenfalls anderswo gebacken, hier geht man aufs Ganze.

„Teflon Don“ lässt sich dabei wohl am Besten als groß angelegter Blockbuster beschreiben, für den keine Kosten und Mühen gescheut wurden, um den Besucher in den Kinosaal zu locken. Ein charismatischer Hauptdarsteller in Form von „The Boss Ricky Rozay“ (steht so allen Ernstes unter ‘Executive Producer’). Dazu eine Horde namhafter Nebendarsteller, u. a. Kanye West, Diddy, Jay-Z und Drake. Sowie jede Menge Effekte, hier die Instrumentale, zusammengeschustert von J.U.S.T.I.C.E. League, No I.D., Kanye und weiteren Mitwirkenden, die ihr Handwerk in der Regel durchaus verstehen und in der Lage sind, der wuchtigen Masse vom Bratpfannen Hausherren die passende Unterlage zu liefern.

Und wie das bei Blockbustern meist so üblich ist, fällt das Ergebnis zwar optisch beeindruckend aus, enttäuscht aber bei aller Euphorie für das Gesehene auf der inhaltlichen Ebene, indem auf 08/15-Stories zurückgegriffen wird, die allein der Rick Ross-Jünger im Laufe der vorherigen drei Alben oft genug gehört haben durfte. Während man die thematische Pionierarbeit also anderen überlässt, macht es sich Ricky lieber wieder im Maybach gemütlich und lädt sich hierzu noch T.I., Jadakiss und Erykah Badu ein - ein Glück, dass so einem 6-Meter-Schlachtschiff genügend Platz im Innenraum bietet. Das Ganze ist dann die konsequente Fortführung des Breitbild-Rap, der mittlerweile zu Rick Ross’ Aushängeschild geworden sein dürfte.Da passt auch eine Kollabo mit einem weiteren übergroßen Ego perfekt ins Bild, der Teddybär-Bewunderer Mr. West höchstpersönlich. „Life Fast, Die Young“ könnte dabei kaum treffender für die beiden stehen, die stets mehr den Drang des Gasgebens verspüren, als die Bremse zu ziehen.

Bei allem musikalischen Größenwahn werden zwischendurch jedoch auch vergleichsweise ruhigere Töne angeschlagen. Etwa wenn Shawn Carter das Gebäude betritt und gemeinsam „Free Mason“ performt wird oder mit Cee-Lo das pathetisch betitelte „Tears Of Joy“ realisiert wird. Gerade diese Tracks gefallen durch ihren Hauch von Abwechslung, ohne dass man Stücken wie „MC Hammer“ mit Gucci Mane oder aber „Aston Martin Music“ mit Chrisette Michele und Drake etwas absprechen möchte. Besonders letztgenannter Track überzeugt unterm Strich sogar mehr als die weiter oben erwähnte, dritte Kutschfahrt im Maybach. Und nach gerade einmal 11 Stücken ist die Party dann auch schon wieder vorbei.

Ein Album wie „Teflon Don“ zu bewerten fällt schwer. Vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet ist es ein lahmer Hut, dessen elf Titel nicht nur auf eine kurze Spieldauer schließen lassen, sondern vor allem auch auf die Tatsache, dass dem guten Mann die Themen ausgehen bzw. neue Varianten um Altes wiederzuverwerten. Und auch die Tatsache, dass gerade einmal ein einziger (!) Song ohne Gastspiel auskommt (der Opener „I’m Not A Star“), erweckt bisweilen mehr den Eindruck eines Samplers denn eines waschechten Soloalbums. Bezugnehmend auf den Unterhaltungsgrad jedoch entpuppt sich auch „Teflon Don“ als kurzweilige, große Show, die nur wenige ebenso epochal inszenieren können.
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Flip - Umberto Ghetto




Alter Egos kennt das Rapspiel bekanntlich zuhauf. Egal ob Übersee oder im beschaulichen alten Europa, die Sehnsucht nach einem anderen Ich ist weit verbreitet. Im Falle von Flip, mit 17 aktiven Jahren als Produzent und MC der österreichischen Vorzeigegruppe Texta ein echtes Urgestein im Alpenland, kam das Alter Ego im Zuge der Unsichtbaren zu Stande, welche so manchem Ö-Rap-Fan etwas sagen dürfte. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass jenes Ego nun nicht etwa den Künstlernamen gibt, sondern den Albumtitel eines siebzehn Stücke umfassenden Werkes, dem ersten Soloalbum in Flips langjähriger Karriere. Entsprechend hat man es hier beim besten Willen nicht mit einem Newcommer zu tun, sondern einer gestandenen Größe.

So klingt auch bereits der einleitende Titeltrack. Roh und mit Blick aufs Wesentliche, dazu ein hübsch geschnittenes Sample – man spürt auf Anhieb die Erfahrungen im Bereich des Produzierens und auch die ersten Vorträge Flips hinterlassenen einen positiven Ersteindruck. Auch „Originality“ unterstreicht nochmals die Abgeklärtheit und begeistert mit einem Instrumental, in dem hörbar viel Liebe drin steckt. Ein Genuss, gerade wenn man das ganze Wochenende mal wieder nur endloses bis austauschbares Synthiegewitter auf die Ohren bekam. Getoppt wird das Alles nur noch von „Schwindelfrei“, einem positiv gestimmten Track, in dem Dinge gesagt werden wie „wir sind nicht frei von Sorgen, doch bis morgen früh bleibt das Leben süß wie Himbeereis“. Und während die einen mit dem Hintern wackeln, werden sich die anderen angesichts dieses Beats die Freudentränen aus dem Auge wischen.

Wunderbar arrangiert auch „Leere Versprechen“ mit Kayo, das sich der schwindenden Zuverlässigkeit zum Thema nimmt und dabei nicht nur auf andere blickt, sondern auch die eigenen Fehlverhalten kariert. Wieder so ein Beispiel dafür, dass Produzent und Rapper in einer Person durchaus gut funktionieren kann, woran auch nur wenige Minuten zuvor das „Large Diamond Rock“-Interlude erinnert, mit welchem Flip an drei seiner Ikonen erinnert; Large Pro, Diamond D und Pete Rock. Und wo wir schon ein wenig zurückblicken, passt auch gut „Back To The Old School“ ins Bild. Die Fahrtrichtung wird bereits im Titel klar, dazu gibt es Drums zum Verlieben.

Neben dem bereits erwähnten Kayo finden sich noch weitere, internationale Features auf „Umberto Ghetto“ wieder. Der aus dem Senegal kommende Rapper Baay Sooley etwa, sowie die Detroiter Buff1 und 14KT. Gerade der Track mit den US-Amerikanern hinterlässt dabei deutliche Spuren in Form von überhartem Kopfnicken. In Flips Worten formuliert: „wäre HipHop eine Kirche, dann wärt ihr jetzt unsere Firmlinge“. Fast erwartungsgemäß großartig hingegen der Auftritt von Münchens Rotwild Fiva. Nach der unglaublich guten Zusammenarbeit für deren letztes Album, wird nun ein clubtaugliches Brett übers Weggehen geschustert, bei dem Beide zur Höchstform auflaufen. Heimgehen ist nicht, zumal die abschließenden zwei Tracks ebenfalls Gehör finden sollten.

Nachdem bereits Skero mit seiner Soloplatte letztes Jahr begeistern konnte, schafft es nun auch Flip mit „Umberto Ghetto“, das längst überfällige Soloalbum an den Start zu bringen. Dass dabei auf altbekannte Dinge wert gelegt wird, unterstreicht letztlich, wie wertvoll Erfahrung, Souveränität und natürlich jede Menge Leidenschaft für einen Langspieler sein können. Da darf man dann auch zum Schluss ruhigen Gewissens den Pressetext zitieren; „Umberto Ghetto“ ist klassische Rapmusik wie sie sein sollte: herausragende Beats, clevere Lyrics, hohe Musikalität, Abwechslung und Selbstdistanz.
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Dienstag, 7. September 2010

Pimpulsiv - Hepatitis P




Pimpulsiv ist der Name eines Deutschrap-Duos bestehend aus Skinny Shef und Timi Hendrix, der vor allem Zuschauern der ‘Feuer über Deutschland’-Reihe etwas sagen dürfte und schon damals positiv auf sich aufmerksam machen konnte. Nachdem gemeinsam bereits ein Langspieler namens „Hoetry“ entstanden ist, der Vielversprechendes bot und Features von Lakman, Casper und Rasputin, erschien vor einiger Zeit das zweite Album mit dem unkonventionellen Titel „Hepatits P“. Ein Album wie eine Krankheit also, so unangenehm und wenig einladend oder etwa genau das Richtige für all jene, denen das Hilton zu snobistisch und die Bahnhofstoilette zu niveaulos kommt. Kurzum, Zeit für einen weiteren Ausflug hinein in den von Pimpulsiv bewohnten Trailerpark.

Eben dieser wird sogleich dann auch nur wenige Minuten später im Track „Wohnwagensiedlung“ umschrieben. Eine Gegend, die auf den ersten Blick alles andere als einladend und ansehnlich ist, auf den zweiten Blick dann aber seinen Charme hat und für eine eingeschworene Gemeinschaft steht, die nichts zu verlieren hat. Begleitet werden Skinny und Timi von ihren befreundeten Nachbarn DNP, Sudden und Dana, wobei vor allem die gesungene Hook im Zusammenspiel mit dem hübsch arrangierten Beat Anreiz zum mehrmaligen Hören bietet. Selbiges kann man auch von „Ghettofrühstück“ behaupten, eine humorvolle Ode an Aldi, vernachlässigten Kühlschrankinhalt und ähnliches.

Überhaupt stellt der Humor eines der prägnantesten Elemente von Pimpulsiv dar, es vergeht kaum ein Part, der nicht für mindestens einen ordentlichen Lacher gut ist. Darauf reduzieren sollte man die Beiden aber dennoch nicht, denn ähnlich wie Blumio und weitere Konsorten findet sich nicht selten ein doppelter Boden hinter den Zeilen („Fernsehkompatibel“). Oder es wird ganz offen Kritik an der Gesellschaft und dem unsozialen Verhalten der Masse ausgeübt auf einem vom Reggae beeinflussten, entspannten Instrumental plus erneuten Gesangparts auf „Plastikmenschen“. Weiterhin zeigt sich „Hepatits P“ textlich wie musikalisch vielseitig und fährt neben erwähntem Reggae-Touch auch eine Portion Rock („Raus“ mit DNP & Sudden) bzw. Minimal House auf (das völlig abgedrehte„Minimal Klaus“-Skit). So richtig fehl am Platz wirkt aber selbst dies nicht, wenn Klaus Kinski in 3 Minuten durch den Wolf gedreht wird.

Erfreulicherweise hört man im Vergleich zu „Hoetry“ eine Weiterentwicklung raus. Eine eingängigere Hook hier, eine kritischere Line mehr dort und insgesamt mehr Abwechslung. Ohne dabei auf alte Tugenden zu verzichten, sondern stattdessen erneut mit Features von Casper und Rasputin, zusätzlich zu neuen Homies wie JAW und Morlockk Dilemma, aufzutrumpfen. Und auch der vom Vorgänger bekannte „Tokio Bordell“ öffnet wieder seine Pforten, so dass am Ende ein ausgereiftes und Spaß bereitendes Album seinen Weg in den Player fand, dass klar zu den besseren Deutschrap-Releasen zu zählen ist.
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Hammer & Zirkel - Wir Sind Freunde Und Darum Machen Wir Musik




Da sind sie wieder, die zwei Hünen im Teddybärkostum – oder andersrum. Nach ihrem erfrischend ungezwungenen, aber zugleich an Konsequenz mangelnden Erstlingswerk steht nun das zweite Album in den Läden. Mit dem Unterschied, dass man sich inzwischen zu einem Trio weiterentwickelt hat und so auch DJ Tracksau einen Sitzplatz im Boote anbot, welchen dieser auch ganz offenbar mit großer Freude annahm und nun zumindest für etwas Kopfbehaarung sorgt, im Kreise der großgewachsenen Erzieher aus Berlin. Zeiten ändern dich, meinte unlängst ein namhafter Kollege und hat damit bezogen auf Hammer & Zirkel vielleicht gar nicht so unrecht.

Dass Hip Hop nach wie vor als Spielwiese der Beiden dient, ist aber dennoch auf den Coverblick hin erkennbar; die drei Mütter, in der Hand jeweils das Bild des Sohnemanns und auf der Rückeite der CD die kuscheligen Bettnachbarn Plüschhase, -bär und -äffchen. Zur Info, dass hier ist nicht die große Rückkehr-Offensive des Rolf Zuckowski, sondern ein, wenn auch nicht ganz auf den Erst des Lebens getrimmt, Rapalbum aus Berlin. Da sag noch mal einer, die deutsche Raplandschaft habe nicht für jeden Geschmack etwas Entsprechendes parat.

Im Jahre 2010 kommt jedoch auch ein Hammer bzw. Zirkel mit weitaus mehr als reinem Geblödel daher. Und wenn, dann ist das Ganze im Vergleich zu einst wesentlich homogener zum Rest des Albums als einst. Ob das nun der „Liebessong Für Britney Spears“ ist, der der einstigen Popprinzessin ein Lächeln aufs Gesicht und einen Wasserfall an Gefühlen beschweren dürfte. Oder das liebliche „Ich Will Ein Kind“. Alles wirkt stringenter, eine klare Linie ist nun weitaus eher zu erkennen als jemals zuvor. Bei gleichbleibender Kreativität hinsichtlich der Texte und Themen, versteht sich.

Wer sich für einen Track extra Gäste, die Einzigen auf dem gesamten Album, an Bord holt, die entweder ebenfalls die Erzieherlaufbahn genommen haben (Laas Unltd.) oder sich zumindest an dieser versuchten (Sido), den treibt mehr an als reiner Blödsinn. Groß kommt auch „Zurückgeblieben“ her. Keine Battlelyriken an den imaginären Todfeind, stattdessen clever formulierte Lines, die erst am Ende des Songs, genauer gesagt das allerletzte Wort (!), zur Pointe ansetzen. Anhand dieses Beispieles lässt sich die Entwicklung von Hammer & Zirkel wohl am Deutlichsten darstellen. Andernfalls findet sich mit dem Kritik zum Ausdruck bringenden „Hr. Günther Ausm Ersten“ oder „Ich Hab Leider Keine Hand Frei“ weitere Stücke ähnlichen Kalibers.

Ein weiterer Meilenstein der Deutschrapgeschichte also? Nicht ganz, denn nicht jeder der dreizehn Anspielpunkte birgt den selben Reiz des erneuten Anhörens wie erwähnte Stücke. Auch sehnt sich der ein oder andere Hörer gegen Ende der Spielzeit nach etwas mehr Spritzigkeit in Form schnell formulierter Doubletime-Raps, während auf „Wir Sind Freunde…“ mehr die gemütliche Gangart bevorzugt wird, welche das Bild der freundlichen Tanzbären nur noch mehr bestärkt. Kein Album vor dem Herrn also, aber ein riesengroßer Schritt nach vorne für die beiden bzw. drei und damit am Ende doch mehr, als man zunächst erwartet hätte.
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Sonntag, 5. September 2010

Fat Joe - The Darkside Vol. I




Ein Jeder erinnert sich noch Bestens an das krude und etwas arg kalkulierbare „J.O.S.E. II“, welches selbst für Fat Joes Verhältnisse mit bisher ungeahnter Konsequenz den zum damals gegenwärtigen Zeitpunkt folgte und kaum mehr Joeys Wurzeln offenlegte, die des klassisch auf Hardcore gepolten Lines, direkt aus der Bronx. Die Folge waren unsäglich miserable Absatzzahlen, die Herrn Cartagena offenbar ordentlich den Kopf wuschen und wieder zur Vernunft kommen ließen. Denn kaum war das Album und die damit einhergehende Enttäuschung halbwegs verdaut, drang bereits die Nachricht ans Tageslicht, dass der dicke Joe sich wieder auf seine Stärken besinnt und bereits an etwas Neuem schraubt, das die Grundessenz des Joey Crack wieder beinhaltet und das Zeug zum Klassiker habe. Nun ist „The Darkside Vol. I“ draußen und es liegt an Joe die verstimmten Gemüter seiner Anhänger wieder freundlich zu stimmen.

Der erste Eindruck weiß zumindest zu überzeugen: die New Era tief ins Gesicht gezogen, den Mundwinkel leicht angezogen und das Tracklisting findet sich auf edlem Grund, das Rhyme Book Big Puns. Eine klare Botschaft, die mit dem von Scram Jones produzierten Intro auch aus musikalischer Sicht vermittelt wird. Keine zweieinhalb Minuten sind nötig, um Fat Joe in der eigenen Gunst um doch immerhin ein paar Plätze nach oben zu hieven. Auch das von Cool & Dre geschusterte „Valley Of Death“ fährt ordentlich ein, wenngleich der Titel weitaus düsterer klingt, als es letztlich der Fall ist. Ja selbst Just Blaze lässt für „I Am Crack“ O-Zone und Konsorten links liegen und widmet sich wieder handwerklich Ansehnlichem.

Natürlich wurde auch die Booth wieder mit Gästen geschmückt. Da wären die Clipse-Brüder und der wieder erstärkte Cam’Ron, mit welchen gemeinsam aus Sicht der Droge selbst erzählt wird („Kilo“). Young Jeezy, der mit seiner Performance auf „(Ha Ha) Slow Down“ weit die Erwartungshaltung an sein neues Werk nach oben schraubt auf einem Beat von Scoop Deville, der längst nicht nur dem Schneemann in die Karten spielt. Lil Wayne, der Auto-Tune kurzweilig im Schrank verstaut und zu guter Letzt Busta Rhymes, mit welchem ein ordentlicher Albumabschluss gefunden wurde, der mehr als klar geht.

Doch wo Licht ist, da ist in der Regel auch Schatten. Zwei Beispiele für weniger gelungene Tracks sind „No Problems“ mit Rico Love, den man noch von „J.O.S.E. II“ kennt und das mit R. Kelly bestrittene „How Did We Get Here“. Besonders Kelly bewies in seiner äußerst ansehnlichen Karriere bereits des Öfteren, wie gefährlich gut er mit Rappern harmonieren kann und gemessen an den Leistungen vergangener Tage wirkt dieser Track etwas blass, wenngleich gerade lyrisch alles andere als schlecht. Insbesondere bei Gegenüberstellung mit dem letzten Album, auf welchem er mitunter zu den besten Tracks gezählt hätte.

Dass „The Darkside Vol. I“ kein Klassiker wurde, ist demnach weniger Fat Joes Fähigkeiten am Mic zuzuschreiben, die er hierfür sogar wieder ordentlich aufpolieren konnte oder biederen Chart-Annäherungsversuchen. Sondern mehr der Tatsache, dass bei einer überschaubaren Länge von 12 Tracks schlicht alles sitzen muss und Ausrutscher ins Durchschnittliche schlicht bestraft werden müssen in der B-Note. Alles in allem aber ein großer Schritt zurück in die richtige Richtung, der Lust macht auf mehr (= Vol. II). Ordentlich.
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Step Up 3D - Soundtrack




Hörte man früher von ‘Tanzfilmen’, so dachte man zumeist an altmodische Schinken, in denen sogenanntes „Mumien-Schieben“ praktiziert wird. Spätestens seit dem Film ‘Street Dance’ änderte sich das und es folgten zahlreiche Filmen selben Schlags. „Step Up“ ist einer dieser Filme gewesen und bot für die Jugend interessante weil aufsehenerregende Tanzmoves auf leicht bekömmlichen Hip Pop und vom Club geschwängerten RnB. Ein zweiter, noch mehr auf die Jugend zielender Film folgte, die Drehbuchautoren schienen jedoch mit ihrer Kreativität am Ende zu sein, so dass es erst die neue Errungenschaft des 3D-Kinos brauchte, um erneut Anlass für einen „Step Up“-Film zu geben, für welchen der passende Soundtrack bereits vorliegt.

Dieser setzt sich in gewohnter Art und Weise aus einer Prise Hip Hop, etwas RnB und jeder Menge für den Club bzw. zum Tanzen animierende Melodien zusammen, die auch ohne die bewegten Bilder des Filmes tauglich sein möchte. Leider gelingt das im vorliegenden Falle nur in den seltensten Fällen und oft genug findet sich selbst dann der ein oder andere Schönheitsfehler. Doch zunächst fungiert der kaum mehr dem Hip Hop zuzählende Flo Rida als Opening Act im Zusammenspiel mit dem dieser Tage kaum umgänglichen David Guetta. „Club Can’t Handle Me“ soll dabei offensichtlich als zugkräftiges Aushängeschild dienen und die Kundschaft anlocken. Schließlich schadet es nicht, einen Track an Bord zu haben, der auch in den Radios auf und ab gespielt wird.

Es folgt mehr oder weniger uninteressantes Material. Angefangen beim halbgaren Titeltrack von Roscoe Dash und T-Pain, der durch den Snap-Musikanten Fabo von D4L ergänzt wird, aber dennoch nicht zünden mag. Über das nur allzu befremdliche „Up“ von Jesse McCartney und bis hin zur ehemals gern gehörten Estelle aus Großbritannien, der es mit Kardinal Offishall nicht gelingt, ins Schwarze zu treffen. Anstatt auf den Dancefloor zu ziehen, schwindet die gute Stimmung allmählich dahin und droht ins Negative zu drehen, gäbe es nicht auch den ein oder anderen Lichtblick unter den 14 Stücken.

Die Auftritte von Trey Sonz und Laza Morgan sind beispielsweise in ihrer Machart durchaus okaye RnB-Stücken, die man sich anhören kann und auch „Shawty Got Moves“ kommt der Vorstellung eines „Step Up“-Soundtracks recht nahe. Die tatsächlichen Highlights kommen jedoch von N.A.S.A und Busta Rhymes. Erstgenannten gelingt mit dem vom „Spirit Of Apollo“ bestens bekannten und somit nicht mehr ganz frischen „Whachadoin?“ samt der großartigen M.I.A., Santigold und Konsorten der erste Stimmungsaufheiterer. Bus-A-Bus hingegen beweist sich als Zimmermann und liefert mit „Tear Da Roof Off“ ebenfalls saubere Arbeit. Die Tatsache, dass der Track allerdings mittlerweile über 10 Jahre auf dem Buckel hat, spricht jedoch eine eindeutige Sprache.

Versöhnlich endet der Soundtrack dann mit Sophia Del Carmen. Deren „No Te Quiero“ gab es in der Vergangenheit bereits mit Akon auf die Ohren, hier nun im Remix mit Pitbull. Ohrwurm-Hook auf Spanisch, Pitbull mal wieder erträglich, hier versteckt sich doch tatsächlich ein Track, der nach dem überwiegend zum Vergessen einladenden Stücken im Vorfeld, zumindest kurzfristig im Gedächtnis hängen bleibt.

Es ist schwierig einen Soundtrack zu beurteilen, dessen Film man nicht bereits gesehen hat. Der OST zu „Step Up 3D“ enttäuscht dennoch in puncto Gesamtbild und transportiert die im Film stets behandelte Lust am Tanzen nur bedingt auf den Silberling. Und dann mit Hilfe von Tracks, die man unlängst sein Eigen nennt. Ernsthafte Rap-Fans verpassen hier rein gar nichts, dem überwiegend jugendlichen Mob aus „Step Up“-Fans wird es dennoch reichlich egal sein und das Ganze blind kaufen respektive feiern. Schade, ein richtig guter Film mit richtig gediegenen Rap-Tracks wäre in der Tat wieder mal eine feine Sache. So aber nicht.
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Sonntag, 29. August 2010

Marteria - Zum Glück In Die Zukunft




Die Deutschrap-Geschichte der jüngeren Vergangenheit hat viele neue wie interessante Künstler hervorgebracht, Marten Laciny, besser bekannt wahlweise als Marteria oder das vom Helium beflügelte Wesen namens Marsimoto, ist einer davon. Nach dem zuletzt veröffentlichten „Zu Zweit Allein“ unter der Marsimoto-Persona, ist es laut bis hierhin gepflegter Regel Zeit für neues Material unter dem Namen Marteria. Dessen „Base Ventura“ liegt mittlerweile geschlagene drei Jahre zurück und angesichts dessen stellt sich die Frage, ob sich das Warten auf die neue Scheibe, welche im Titel auf die allseits bekannte Film-Trilogie mit Michael J. Fox anspielt, und den darauf enthaltenen zwölf Stücken auch gelohnt hat.

Führt man sich Interviews mit dem viel begabten Marteria zur Gemüte, so ist die nach heutigem Standard lange Durststrecke durchaus gewollt und zur Abwechslung weder auf Label-Differenzen noch kreativer Flaute zurückzuführen. Stattdessen hatte man nicht weniger im Sinn, als dem Album und den Stücken die nötige Zeit zu geben, die es brauch, um die gewünschte Qualität zu erlangen. Gemäß dem Motto, welches besagt, dass Rom ebenso wenig an einem Tag erbaut wurde. Besonderen Wert legte man auf das letztliche Sounderlebnis für den Hörer, so dass es vom Klang her schon einmal keinerlei Beanstandungen gibt. Was fett klingen sollte, klingt ebenso, der sauberen Arbeit beim Ausproduzieren sei Dank.

Zugleich zeugt solch ein Aufwand von einem gewissen Grad an Selbstvertrauen in die eigene Musik. In Zeiten, in denen sich Tonträger nur mehr schleppend verkaufen, ist längst nicht mehr jeder bereits, in derartige Details zu investieren, die in digitalen Zeiten nicht für jedermann eine Rolle spielen. Das geschulte und auf Qualität ausgerichtete Ohr erfreut sich dagegen von Beginn an. Der einleitende „Endboss“ wird so zugleich zum stramm vorangehenden, überaus elektronischen, Brett vor dem Herrn, während Marteria selbst vom Spiel des Lebens berichtet, Level für Level versteht sich, inklusive einem von mehreren kurzen Gastauftritten vom Alter Ego Marsimoto.

In der Folge beweist sich Marteria erneut als die wesentlich konventioneller zur Tat schreitende Seite des ehemals ambitionierten Fußballers. Zwar bewegt sich alles immer noch abseits der für gewöhnlich betrampelten Pfade, hat mit der allgemeinen Vorstellung von Rap aber immer noch mehr gemeinsam als die stellenweisen Absurditäten eines Marismotos. So wird aus dem Wortspiel „Amys Weinhaus“ ein Exempel für Marterias Künste als Texter und eine Kollabo mit Jan Delay für „Wie Mach Ich Dir Das Klar“ ein schönes Stück frei atmender Musik, die, konstant im Deutschrap verwurzelt, ungezwungen ins Ohr schallt.

Darüber hinaus gibt es mit „Louis“ ein dem Sohn gewidmetes Liedchen, welches entsprechend persönlicher ausfällt als das mächtig laut zu Werke gehende Ungetüm namens „Kate Moskau“, wenngleich bei letzterem Track die Energie in der Hook bis ins Mark übergeht und Freunde des gepflegt gerollten R’s voll auf ihre Kosten kommen. Neben erwähntem Jan Delay bestechen auch die übrigen Auftritte durch Qualität und erweitern das Album um weitere Facetten. Sowohl Miss Platnum als auch Peter Fox fügen ihre eigenen Noten bei, ohne die Fahrtrichtung vorzugeben und mit Casper bzw. Marsimoto wird mal eben köstlich über verbotene Dinge gesprochen, wobei nicht unbedingt auf die gewöhnlichsten Dinge Bezug genommen wird.

„Zum Glück In Die Zukunft“ ist der nächste logische Schritt in der Laufbahn Marterias und spielt sowohl vom produktionstechnischen Standpunkt betrachtet (ein Kompliment an dieser Stelle an The Krauts, welche sich für eben diese verantwortlich zeichneten) als auch aus Sicht der dargebotenen Performances in der obersten Liga mit. Vor allem aber wird dem Konsumenten erneut vor Augen geführt, welch weitreichenden Spielsaal mit der Aufschrift ‘Deutschrap’ er einst betreten und lieben gelernt hat. Nicht jedermanns Geschmack, aber wer mit Marteria allgemein etwas anfangen kann, bekommt eine bestens ausgefüllte Dreiviertelstunde fürs Geld.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Dexter & Maniac - Raw Shit




Wenn deutsche Reime auf englische Lines treffen, dann handelt es sich in der Regel um eines der seltenen Zusammentreffen von amerikanischen Rappern und nationalen Wortakrobaten. Nicht so im vorliegenden Falle. Dexter, der vor allem als geschmackssicherer Produzent auf sich aufmerksam machen konnte und sich hier auch als Rapper erweist, als auch dessen englischrappendes Pendant Maniac, kommen beide aus dem beschaulichen Regensburg und sind über die Booth hinaus befreundet. An mangelnder Sympathie füreinander mag vorliegendes Projekt daher schon mal nicht scheitern und auch die wohlbekannte Wortsport-Schmiede versprach bislang stets qualitativ Hochwertiges (man denke nur an die Freidenker und Fleisz).

Für „Raw Shit“ schraubte man achtzehn Anspielpunkte und sicherte sich Gastspiele von Keno, besser bekannt als Teil der Münchner Creme Fresh, und Jaques Shure, welchen man noch in bester Erinnerung vom Fleisz-Album hat. Als musikalischer Rahmen dient der sowohl von Dexter als auch Maniac bevorzugte Soundentwurf, der noch mehr mit Jazz gemein hat, als mit der Großraumdiscothek und das Gütesiegel BoomBap zurecht für sich beansprucht.Womit das zu erreichende Klientel auch gleich grob eingegrenzt wird. Von dieser Seite her also keine Überraschungen zu vermelden.

Auch die inhaltliche Komponente wird genährt mit dem schlichten, aber doch immer wieder herhaltenden, weil irgendwo doch Sinn machenden Thema HipHop – was auch sonst? Im Klartext heißt dies, dass die Kultur im Vordergrund steht und um kleine Ausflüge ins Grün bzw. in den Jazzclub ergänzt wird. Nicht wirklich innovativ, aber das möchte das Ganze vermutlich auch gar nicht sein. Stattdessen möchte man dem, nun ja, rohen Scheiß folgen und ebendies dem Konsumenten vorsetzen, was auch sehr gut gelungen ist. Kompromisslos, geradlinig und klar.

Die Vortragsweise der beiden Jungs bewegt sich im selben Milieu. Während man in Dexter stets mehr den Produzenten denn den Rapper sieht, schlicht weil die Talente ebendort vermehrt verteilt wurden, dabei aber dennoch ordentliches zu Stande bringt, ist Maniac durchaus sicher im Englischen unterwegs. Da machen sich die in den Staaten verbrachten Jahre bezahlt und umschiffen so die eingeprägte Vorstellung (die oft genug der Realität entspricht) vom amateurhaft vorangehenden Deutschen, der sich mit halbgarem Schulenglisch als Rapper versucht.

„Raw Shit“ ist ein Vergnügen für all jene, die auf Schnörkel und große Innovation verzichten können wenn nicht gar wollen. Während mancher Rap-Kollege mittlerweile ganze Orechster für die Instrumentalisierung beauftragt oder dem neuen Trend der Stunde hinterherrennt, konzentriert man sich hier aufs Wesentliche. So dass das Album letzten Endes im Rahmen seiner Möglichkeiten mit das Beste herausholt und zu überzeugen weiß, ohne für einen Sturm der Begeisterung zu sorgen. Spaß macht es aber allemal.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Sonntag, 22. August 2010

Capone N Noreaga - The War Report 2




Kaum einer konnte mit den letzten Solowürfen der beiden aus Queens stammenden Rapper Capone und Noreaga vollens zufrieden sein. Halbgare Reime, lieblose Hooks und 08/15-Instrumentals, wie man sie im Internet an jeder Ecke vorgesetzt bekommt. Und dennoch verbreitete sich nach der Ankündigung von “The War Report 2″ so etwas wie Neugierde und Spannung, handelt es sich bei “The War Report” um eines der signifikantesten Rap-Alben der Mittneunziger New Yorks. Und mit IceH20 um ein Label, dessen Chef Raekwon mit seiner Fortführung eines Klassikers beachtliche Resonanz erzeugen konnte. Hot oder Flop - darüber geben die hier versammelten fünfzehn Tracks auskunft.

Das Album beginnt mit “Pain” zunächst stark und verzichtet auf den überladenen Synthie-Ballast eines ‘Yes Sir’ und glänzt dafür mit einfacherem, funktionalerem Sound, der dem des ersten CNN-Albums deutlich näher kommt. Auch das vom für New York typische und gewohnt stoische Piano darf nicht fehlen und zusammen mit dem Trio The Lox gibt es auf “Bodega Stories” schönen Rap vom Big Apple auf die Ohren, wie man ihn nicht unbedingt erwartet hatte. Das Alles wird ergänzt durch das souveräne Auftreten von Capone und N.O.R.E., die mit ihren Stimmen wie gewohnt den Ton angeben.

Mit “Live On Live Long Part II” wird dann konkret an “The War Report” erinnert und man fühlt sich für einen Moment zurückversetzt in die Zeit, als der Charakter von Rap noch ein anderer war. Gleichzeitig atmet der Track jedoch genügend Luft der Gegenwart, so dass die Staubsicht gar nicht erst zum Landeanflug kommt. Passend dazu kommen Gäste hinzu, die damals wie heute aktiv sind und nichts von ihrer Präsenz eingebüßt haben. Busta Rhymes, Raekwon und Nas seien hier als die wohl klanghaftesten Namen unter ihnen genannt.

Den Hit der Platte liefert das Duo jedoch erst gegen Ende mit dem wunderbar aufsingenden Avery Storm. Das gemeinsam inszenierte “The Corner” ist ein mit Soul angereichertes Bankett für Freunde von ohrwurmverdächtigen Hooks und bietet genügend Potenzial, um auch als Single in Betracht gezogen zu werden. Bevor schließlich mit “Obituary”, zu deutsch ‘Todesanzeige’, das Album ein von Orgeln begleitetes Ende findet, das sich hören lassen kann und den guten Eindruck bis zum Schluss rettet.

“The War Report 2″ wird aller Vorausicht nach nicht den Status des Erstlings erreichen - was man aber fairerweise auch gar nicht verlangen möchte - spielt aber im Leben der beiden Akteure eine mitunter sehr bedeutsame Rolle, die für beide eine Rückkehr zur alten Stärke darstellt. So jedenfalls möchte man CNN künftig gerne wieder öfters hören, denn dieser Sound kann defintiv was. Sitzt, passt und hat Luft.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Sonntag, 8. August 2010

Necro - Die!




Einen Künstler wie Necro noch groß vorzustellen, würde wohl nicht allzu viel Sinn ergeben. Sein Debüt "I Need Drugs" liegt bereits ganze 10 Jahre zurück, weitere fünf Langspieler folgten und mit "Die!" erscheint nun bereits das sechste Album. Ganz nebenbei erschuff Necro in dieser Zeit die Form des 'Death Rap' und schuff eine eigene Nische im großen Rap-Dschungel. Folglich kennt man Necro. Wahlweise als unfassbar kompromisslosen und sich selbst treuen Sensenmann des Rap, der mit ordentlich schwarzem Humor, expliziten Gewaltfantasien und einem Hang zur Pornographie seit jeher sein eigenes Süppchen kocht. Oder als stupiden, um Aufmerksamkeit winselnder Verrückter mit ernsten psychischen Problemen, der seit Tag eins stets nur im Kreise rennt.

Während Letztere gar nicht weiterzulesen brauchen, sofern sie nicht eh schon beim Anblick der Rezension das Weite suchten, freuen sich Erstgenannte diebisch auf das erste Album seit geschlagenen drei Jahren. "Die!" ist bereits im Titel äußerst direkt, das Cover in typischer Necro-Tradition gehalten und die Titel, im Gegensatz zu "Death Rap", inzwischen wieder mehr Rap als alles andere. Am Inhalt der Titel hat sich dabei jedoch nichts geändert. Gewalt in allen erdenklichen Variationen, Krieg, der Tod als solches und natürlich auch alles rund ums horizontale Gewerbe bestimmen die textliche Richtung.

Klingt bestens bekannt, erzeugt aber beim Hören dennoch keine Spur von Langeweile. Wenn sich Necro etwa als "Thugcore Cowboy" auf einem Scott Walker-Sample präentiert, ist das mitunter unterhaltsamer als vieles, was man auf seinem letzten Werk zu Ohren bekam. Auch das wunderbar melodisch bis beschwingte "Set It" macht Spaß und überzeugt bereits während des ersten Hörgangs, so dass nach acht der insgesamt siebzehn Stücke ein überwiegend positiver Eindruck entsteht.

Zwar findet sich etwa mit "Hey No" auch der ein oder andere nicht ganz so markante Track wieder, der im kampf um die Rotationsanteile lediglich Außenseiterchancen besitzt. Eine von seichter Akkustikgitarre getragene "Asshole Anthem" macht dafür aber wieder alles wet, ehe im Anschluss mit "Viva Necro" zwar ein wenig innovatives, aber ungemein gut funktionierendes Loblied, eine Hymne, an sich selbst angestimmt wird. Den große Knall sparte sich der gute Mann dennoch für den Schluss auf, wenn mit "The Human Traffic King" fragwürdige zur Diskussion anregende Ansichten vom Stapel gelassen werden, wie man sie nur von Necro erwarten konnte.

In jedem Falle ist "Die!" eine überaus gelungene Sache geworden, die Necros Reputation nur zu gute kommen dürfte und neben treuen Fans auch den ein oder anderen Neuling erfreuen dürfte. Immer unter der Voraussetzung, man lässt sich von der direkten, tabulosen Gangart des in Brooklyn beheimtaten Necro nicht abschrecken. Denn vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet, ist "Die!" wieder ein Schritt in die richtige Richtung, an die künftig gerne weiter angeknüpft werden kann.

Sonntag, 1. August 2010

Fleisz - Ist Zurück/War Niemals Da




Betrachtet man Rap nur Oberflächlich, möchte man meinen, es mangelt an kreativen wie hörenswerten Veröffentlichungen und das nicht erst seit gestern. Blickt man jedoch tiefer und erweitert das Blickfeld bestehend aus Azad, Bushido, sido und Co., wird man schon nach kurzer Zeit auf die vielseitigsten Künstler und Labels treffen. Eines dieser Labels dürfte Wortsport sein, welches mit den Freidenkern zuletzt ein äußerst gelungenes Album an den Mann brachte und nun mit Fleisz das nächste, ähnlich gelungene Album veröffentlichen möchte.

Fleisz selbst ist dabei kein Unbekannter mehr und hat neben seinem Debüt “Das muss doch Liebe sein” und einem Minialbum so manchen Samplerbeitrag abgegeben und auch durch Features und Auftritte auf sich aufmerksam gemacht. Nun folgt das Album “Ist Zurück / War Niemals Da” mit zwölf neuen Tracks und Features von Freidenker Heikouality, Jaques Shure und anderen. Ein Album weit weg von der sonst gewohnten Ego-Schiene und dem propagierten Materialismus. Man könnte auch sagen ein typischer Wortsport-Release.

Schon von Beginn an wird deutlich, dass es Fleisz nach wie vor versteht, reifen Inhalt in unterhaltsame Geschichten zu verpacken, die stets bodenständig genug ins Ohr gehen, als dass sich ein jeder sein eigenes Bild malen kann. “Teufelskreis” nimmt sich etwa lyrisch ansprechend dem Thema Sucht an und präsentiert es gleich in verschiedenen Formen, während Dexter, welcher sich für den überwiegenden Teil der Produktion verantwortlich zeichnet, die dazu passende Untermalung beisteuert.

Weitere Geschichten liefert der mit 24 Jahren immer noch junge Fleisz auch mit “Kleiner Junge”, “Wen Du Stolperst” mit dem hier auch als Produzent tätigen Heikouality und das mit Hilfe von Sabbah inszenierte “Leere Straßen”. Dabei werden nicht nur Eindrücke, Meinungen und Sichtweisen an den Hörer weitergegeben, sondern ein komplettes Bild, welches es dem Hörer erlaubt, besonders tief in die Tracks einzutauchen, während Fleisz einen stets auf diesen Reisen begleitet. Mit zwölf Stücken ist das Album am Ende auch in der Länge genau richtig, um den Konsumenten nich mit Inhalt zu überfordern, getreu dem Motto Qualität statt Quanität.

Vielleicht vermisst der ein oder andere auf Dauer die impulsiven, hervorstechenden Momente und sucht nach Ecken und Kanten. Wer ohne eben diese auskommt, bekommt mit “Ist Zurück / War Niemals Da” ein rundes Album, voll mit Geschichten aus dem Leben, vorgetragene von einem stimmlich angenehm eigenen Fleisz, dem das Reimen als Ausdrucksform hörbar viel Spaß macht. Was für die, die gerne mithören und nichts von Hintergrundbeschallung halten.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Sonntag, 25. Juli 2010

Mopz Wanted - Begleiterscheinungen




Wie erklärt man einem Außenstehenden das Schaffen und Wirken eines ihm gänzlich nichtssagenden Künstlers einer, im ungünstigsten Falle, ihm völlig unbekannten Musikrichtung? Ein oftmals schwieriges Unterfangen. Im Falle von Mopz Wanted könnte man auf den bedeutenden irischen Schriftsteller William Butler Yeats verweisen. Denn ähnlich wie dieser in seinem Gedicht „He Wishes for the Cloths of Heaven” schrieb ‘Die Träume breite ich aus vor deinen Füßen. Tritt leicht darauf, du trittst auf meine Träume’, so fühlt es sich an wenn Mopz Wanted das Mikrofon ergreift und zum Hörer spricht. Offen, ehrlich und in seiner Wortwahl wohlüberlegt.

Nach „Zeichensprache“ und „Ein Neuer Morgen“ folgt nun der dritte Streich „Begleiterscheinungen“. Im betrübten Grau daherkommend, zeigt dieses die endlos wirkende Straße, die hier als Synonym fürs Leben selbst genommen werde kann und die zahllosen Wege und Möglichkeiten, die dieses offenbart. Ein bewusst philosophischer Ansatz der Interpretation, der dem sprachlichen Gefühl und der Qualität von Mopz Texten nur gerecht wird, noch ehe dieser sich mit „Von Kopf Bis Fuß“ als Liebhaber der Kultur Hip Hop präsentiert und diese Liebe lebt und liebt.

So besitzt ein Lied wie „Neues Spiel Neues Glück“ bereits mehr Inhalt, als es manch realitätsfremden Ghettoproleten recht sein dürfte. Alles hinter sich lassen, neu beginnen und aus begangenen Fehlern lernen – dass hier jede Menge Herzblut hineingesteckt wurde versteht sich da fast schon von selbst und lässt sich gleichwohl ohne Anstrengungen auch von Laien heraushören. Herauslesen lassen sich hingegen die Texte und das ist, wie so oft, wenn die Lyrics ins Booklet gedruckt werden, durchaus zu empfehlen, um auch keine Silbe zu verpassen. Beispielsweise wenn gemeinsam mit Franksta, Pitza, Plus, Tatwaffe und Def Benski über „Freunde“ respektive falsche Freunde gesprochen wird.

Auch die von den Vorgängern bekannte Eylem überzeugt auf „Heimat“ in gewohnter Art und Weise und geschmackssicherer Stimme, wohingegen mit Sinuhe, Daez und Mirko Polo auch neu hinzugekommene Gäste ihren Weg aufs Album fanden und sogleich mit überaus ansprechender Leistung überzeugen. Den Titel für das beste Feature heimsen dennoch Ninjoe und Grantill, auch bekannt als Rohdiamanten, ein. „Auf Einen Nenner“ ist ohne jegliche Übertreibung ein gehaltvolles Stück Rap auf höchstem Niveau, das fesselt von Anfang bis Ende und sich ins Gedächtnis brennt.

Jene Momente, von denen „Begleiterscheinungen“ gleich einen ganzen Haufen liefert, sind es, die unter die Haut gehen und ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit hervorrufen. Dankbarkeit für einen Künstler, der Rap als sein Sprachrohr begriffen hat und sich beim Schreiben seiner Texte Gedanken macht. Dankbarkeit für eine von vorne bis hinten durchdachte wie gelungene Platte, die fortan ins Standard-Repertoire einer jeden Sammlung gehören sollte. Anders formuliert: geht Mopz Wanted „Auf Hoher See“ zur Werke und bittet uns mitzukommen, sollten wir nicht zögern und die Segel streichen. Sure shot.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de