Montag, 29. November 2010

B-Doub - Food For Thought




Dass guter Hip Hop nicht ausschließlich bekannten Quellen entspringt, ist bekannt und lässt sich allein mit einfachster Logik erklären, schließlich fing einst auch ein Nasir Jones oder Shawn Carter klein an. Dennoch erwartet man, oft zu Unrecht, von wenig bekannten Namen schlechte Aufnahmequalität, mäßige Skills, kurzum wenig Spannendes, dass man verpassen könnte. Aus Duisburg kommend, macht sich nun der Rapper/Produzent B-Doub daran, all diese Vorurteile für null und nichtig zu erklären – zumindest, was seine Musik betrifft. Beweis gefällig? Die Juice kürte sein Erstlingswerk „Jetzt Wird Tacheles Geredet“ 2007 zum 'Newcomer-Album des Monats'. Noch fragen an dieser Stelle?

Nach wie vor dennoch weitgehend unbeachtet, ließ sich B-Doub nicht lumpen und schaffte mit „Food For Thought“, wovon so manch anderer Künstler nur träumen kann und versammelt auf dreizehn Stücken Gästeliste-Plätze an Indie-Größen wie El Da Sensei, Wildchild, Edo G, Sadat X, Keith Murray oder Access Immortal, um nur ein paar zu nennen. Während also jeder Indierap-Fan bereits feuchten Höschens die CD in die Anlage schiebt, sprießen die Erwartungen in ungeahnte Höhen und jede Menge Hunger auf die Gedankennahrung. Der Titel des Albums scheint also bestens gewählt.

Wer noch immer keine Vorstellung davon hat, was ihn hier erwartet, der bekommt mit dem „Intro“ einen kleinen Aperitif serviert, ehe das gemeinsam mit Oddisee realisierte „All In A Days Work“ das frohe Treiben offiziell eröffnet mit einem zauberhaften Instrumental, welches in etwa so klingt, wie die Abschlussarbeit eines Boom-Bap-Studierenden, dessen Ziel nicht weniger als der Klassenprimus darstellt. Herrlich, zumal sich ein gelungenes Stück ans andere reiht und mit „Talk Of The City“ und der Kombo El Da Sensei und Internal Quest gleich das nächste große Ding raus gehauen wird.

Der Mittelsektor fällt mit „We Rock On“ von The Good People reichlich entspannt aus, das Zusammenspiel von A.G. und Edo G lässt keine Wünsche offen und Grauhaarträger Reks macht gemeinsame Sache mit Craig G und setzt dem Ganzen den Deckel auf. Dabei hat man den guten Access Immortal noch gar nicht zu Ohren bekommen, der auf „Crown Me King“ bezaubernde Streicher bezirzt und noch vor dem abschließenden Auftritt von Compton-Urgestein MC Eiht den Weg zum Resümee ebnet.

Was die Tracklist mit all ihren hochkarätigen Features bereits verspricht, hält diese auch im Praxistest und beherbergt eine ganze Sammlung hübscher Boom-Bap-Bretter, die in ihrer handwerklichen Umsetzung kaum Wünsche offen lassen und eingangs angesprochene Zielgruppe bestens bedient. Dazu die Cuts von DJ Devastate und fertig ist ein Album, das den Charme vom New York der Neunziger atmet, dabei aber dennoch frisch und überzeugend den Nerv des Hörers trifft und so für ein rundum wohliges Hörvergnügen sorgt.

Sonntag, 21. November 2010

Ice Cube - I Am The West




Blättert man in der Geschichte des Westküsten-Raps, wird man gezwungenermaßen auf Namen stoßen, an denen kein Weg vorbeiführt und ohne deren Mitwirken Rap heute weltweit nicht den Stellenwert hätte. Ice Cube etwa, der sowohl als Teil von N.W.A. für Furore sorgte, als auch auf Solowegen durch die Decke ging. Hinzu kommen respektable Erfolge im Bereich der Schauspielerei und ein eigenes Label namens Lench Mob Records, über welches zuletzt mit „I Am The West“ auch das bis dato letzte Album des Eiswürfels aus Crenshaw, L.A., erschienen ist. Wie viel Energie und vor allem Leistungsbereitschaft diesem noch innewohnt, erschließt sich dann beim Hören der 16 Anspielpunkte.

Zu Beginn erwartet den Hörer zumindest Schmackes – Cube startet angenehm aggressiv und macht dabei keine Gefangenen, so dass „Soul On Ice“ und das mit Jayo Felony und WC aufgenommene „Life In California“ auf Anhieb überzeugen können. Selbiges lässt sich von den folgenden Tracks leider nur bedingt sagen, insbesondere die Kollaborationen mit OMG und Doughboy klingen ebenso wenig spannend, wie sie sich als Teil der Tracklist lesen. Das Album läuft nun geradewegs in eine entscheidende Phase ein, in der der Zuhörer allmählich die ersten Eindrücke zu einem vorläufigen Resümee zusammennimmt.

Weshalb „I Rep That West“ genau zum richtigen Zeitpunkt einsetzt und gemäß dem oft zitierten ‘old but gold’-Ansatz umsetzt, der in Folge des außerordentlich stramm gehenden „No Country For Young Men“ konsequent fortgesetzt wird. ‘I’ma kill one of you young punks with a old school flow’ heißt es dort zu Beginn und man ist geneigt, ihm dies für die folgenden Minuten zu glauben. Weiterhin überzeugt auch das gefasste „Hood Robbin’“ und „Your Money Or Your Life“, beide Male gibt Ice Cube eine gute Figur ab und sorgt so trotz einiger durchschnittlicher Tracks für einen zufriedenstellenden Abgang.

Als kleine Randnotiz bleibt festzuhalten, dass einige der Tracks verhältnismäßig kurz sind und die Drei-Minuten-Marke nicht erreichen, was dem Album wiederum etwas vom Studioalbum-Charakter nimmt und mehr den Eindruck eines hochwertigen Mixtapes erweckt. Ob man das nun mag oder nicht, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, zumal die Länge der Songs unterm Strich keinerlei Aussagen über die Qualität machen. Höchstens die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnisses könnte dadurch zunächst auf den Tisch kommen. Sei es drum.

„I Am The West“ ist ein weiteres Werk in der bemerkenswerten Historie des O’Shea Jackson und weiß in seiner Gesamtheit immernoch des Öfteren zu überzeugen, wenngleich die hin und wieder ans Tageslicht scheinende Durchschnittlichkeit kaum von der Hand zu weisen ist. Ice Cube wird seinen Platz im Schaukelstühlchen, bewaffnet mit Flinte, nicht ohne Weiteres an über motivierte Jungspunde abgeben und sorgt als verdienter Veteran für klare Verhältnisse in und um L.A. - muss man nicht bedingungslos lieben, aber sollte man definitiv nicht vorschnell als uninteressant abtun.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Montag, 15. November 2010

Robby Gentle - 1 Zu 0 Für Mich EP (Free Download)




Für gewöhnlich werden an dieser Stelle eher selten Sachen vorgestellt, die zum freien Download verfügbar sind. Das liegt nicht etwa daran, dass so wenig qualitativ Erwähnenswertes erscheint, sondern vielmehr daran, dass mir die Zeit und der Überblick fehlt, mich genauer umzuhören. Nun bin ich jedoch auf Robby Gentle, aus dem Baden-Württembergischen Reutlingen kommend, gestoßen, der mit seiner Free-EP „1 Zu 0 Für Mich“ und den darauf enthaltenen acht Tracks mächtig Eindruck macht.

Schon der Opener „Jeder“ weist in die richtige Richtung und lässt die Ambitionen von Robby erkennen: gute, kräftige Stimme, die sich aus der Masse hervorhebt und ein sauberer Flow, der angenehm und ungezwungen wirkt. Zwei wesentliche Eigenschaften, die einen guten MC ausmachen und das hat offenbar auch Kaas erkannt, der sich auf einem der Tracks die Ehre gibt.

So entstand mit „Balboa und Kaas“ das klare Highlight der Platte, bei dem vom hoch gepitchten Vocalsample über den Beat bis hin zu Robbys und Kaas Performance nun wirklich alles passt. Aber auch ein „Hoch Damit“ weiß zu überzeugen. Ein Track, der gute Laune verbreitet und als entspannte Atmosphäre verbreitender Song sicherlich sehr gut live funktioniert. Beattechnisch darf man auch das abschließende „Eins Zu Null“ an vorderster Stelle mit aufzählen, wodurch ein rundum gelungenes Fazit übrig bleibt:

Handwerklich sehr fein umgesetzt und völlig gratis, sollte man nicht lange zögern und Robby Gentle auf seinem Weg unterstützen. Ein Kantersieg scheint auf lange Sicht nämlich durchaus denkbar.

Download: Robby Gentle - 1 Zu 0 Für Mich

Sonntag, 14. November 2010

Gucci Mane - The Appeal: Georgia's Most Wanted




Rap aus dem Süden hatte es nicht immer leicht, Rapper aus dem Süden schon gar nicht. Und doch mauserte sich der dreckige Süden dank zahlreicher herausragender Acts zu einer Anlaufstelle für Rap-Verrückte. Besonders Atlanta gleich seit geraumer Zeit einer Pilgerstätte für aufstrebende Künstler, die es oft genug schaffen, einen veritablen Hit zu landen, danach aber in der Versenkung verschwinden. Nicht so Gucci Mane, der längst zu einer festen Größe gewachsen ist und im Sekundentakt Mixtapes raushaut, auf denen von Zeit zu Zeit auch Alben folgen. So etwa „The Appeal: Georgia’s Most Wanted“, der jüngste Streich des Mannes, dessen Name nach Krokodil-Leder klingt und dessen Konflikte mit der Justiz immer wieder eine neue Hürde darstellen für den Künstler und CEO von 1017 Brick Squad (ehemals So Icey Entertainment).

Ungeachtet dessen ist Gucci zu der Sorte Rapper zu zählen, die man liebt oder hasst. Auf der einen Seite eine ganze Sippschaft treuer Fans, die jeden Wurf ins Plattenregal aufs Äußerste feiert. Auf der anderen genügend Stimmen, die sich negativ über die eingeschränkte Thematik von Trap Musik äußern. Dass daran die hier dargebotenen fünfzehn Stücke etwas ändern werden, bleibt anzuzweifeln, soll an dieser Stelle aber auch nicht weiter beschäftigen. Konzentriert man sich nämlich auf die Musik selbst, rollt einem schon im ersten Augenblick einiges vor die Front, das man nun wirklich nicht verpassen sollte. Der Beat von keinem Geringeren als Darkchild geschustert, das Feature vom hier bärenstarken Bun B besorgt und Manne selbst, so lässt sich „Little Friend“ beschreiben, mit dem es sich gediegen vorfahren lässt.

Bereits hier lässt sich erkennen, ob man den richtigen Moment für eine Portion Gucci Mane erwischt hat, oder doch besser bei etwas anderem bleibt. Wer zu Ersteren gehört, darf sich glücklich schätzen, denn ein großes Ding folgt auf das Nächste. „Trap Talk“ knüpft nahtlos an den Opener an und baut die erschaffene Stimmung weiter aus, ehe die Stimmung schließlich im irgendwie absurden , zugleich aber ungemein wirkungsvollen „Making Love To The Money“ gipfelt. Keine Frage, da begreift auch der langsam Denkende ohne Mithilfe von Swizz Beatz und Blick auf die Uhr, was die Stunde geschlagen hat: „Gucci Time“.

In der zweiten Hälfte des Albums schleichen sich dann aber erste Schlaglöcher in den Asphalt ein. Während „Remember When“ mit Sextape-Promi Ray J zwar reichlich weichgespült um die Ecke biegt, aber direkt ins Ohr geht und somit die Meinungen teilt wie Gucci selbst, kann man nur wenig Positives über die zweite Zusammenarbeit mit Swizz Beatz, „It’s Alive’, sagen. Öde, weil total uninspiriert und lieblos, büßen beide an dieser Stelle einige Formpunkte ein. Auch „Weirdo“ oder das Wyclef Jean-Feature auf „Odog“ fegen eher einmal kurz durchs Gehör, ohne sich dabei in irgendeiner Weise festzusetzen.

Zum Ende in findet man aber wieder auf einen allemal guten Weg zurück und beschert mit „Dollar Sign“ noch mal ein sicheres Ding, mit „Grown Man“ sogar eine echte Überraschung im Zusammenspiel mit Estelle, die wieder einmal ihren American Boy gefunden zu haben scheint. Hier zeigt sich vielleicht mit am Deutlichsten, dass ein Aufenthalt hinter schwedischen Gardienen so seine lieben Spuren im Gedankengut hinterlassen kann und im besten Falle zur Einsicht, Abkehr und Reife führt. Ein Ende, mit dem es sich als Hörer sehr gut hören lässt und den insgesamt gelungenen Eindruck des Albums widerspiegelt.

„The Appeal“ ist wird wohl kaum in die Annalen der Geschichte eingehen und die Gegner von Gucci Manes Musikentwurf haben nach wie vor ihre festen Standpunkte, an denen auch vereinzelte, inhaltlich gefestigtere Stücke und ein neptunes-Beat nichts Wesentliches verändern können. Dass es bei Fans von ‘Georgias Most Wanted’ ohnehin auf der Einkaufsliste steht, ist ebenso als sicher zu werten. Doch auch wer bislang wenig von ihm hielt, erhält mit „The Appeal“ die Chance seinen Eindruck zu verbessern, denn das hier ist alles andere als schlecht.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Shad - TSOL




Es gibt Rapper, die einem das Gefühl vermitteln, etwas Besseres zu sein als man selbst. Und man nimmt es ihnen, womöglich auch nur unbewusst, hin und wieder sogar ab. Der im Lamborghini sitzende, mit Diamanten behängte Sprücheklopfer hat eben nur wenig gemeinsam mit dem kaufmännischen Auszubildenden, der immer noch mit dem Bus zur Arbeit fährt. Von Zeit zu Zeit gibt es dann jedoch auch jene Künstler, die derart bodenständig und gesittet daher kommen, dass sie genau so gut direkt nebenan wohnen könnten, ohne künstliches Posieren und herablassende Sprüche . Künstler wie der aus Kanada stammende Shad, der dieser Tage sein drittes Soloalbum auf den Markt bringt, nachdem der Vorgänger „The Old Prince“ bereits als Klassiker der Neuzeit gehandelt wird.

Bereits die ersten Minuten zaubern jedem halbwegs leidenschaftlichen Rap-Hörer ein Lächeln ins Gesicht und angesichts der insgesamt dreizehn Anspielpunkte fühlt man sich, was Vorfreude angeht, wieder in frühe Kindheitstage versetzt, als man es kaum mehr bis zur weihnachtlichen Bescherung ausgehalten hat. Dass hier erneut außerordentliche Qualität im Spiel ist, ist zu diesem Zeitpunkt bereits offensichtlich und das Einzige, was den Eindruck von „TSOL“ ein klein wenig trüben könnte, wären allenfalls die vom Vorgänger her resultierenden Erwartungen. Shad entgegnet diesen mit einer sympathischen Unverfrorenheit und zimmert mit „Rose Garden“ gleich mal eines dieser bezaubernd zeitlosen Stücke hin, die neben grandioser Produktion auch reichlich gehaltvolle Zeilen beinhalten.

Ein derartiges Komplettpaket in einem einzigen Song wiederzufinden, ist eine reife Leistung und im vorliegenden Falle fast schon ein Markenzeichen des Kanadiers. Man führe sich nur das kurz darauf folgende „Lucky 1’s“ zu Gemüte, welches nahezu vollkommen scheint. Hier wird jeder einzelne Track noch liebevoll arrangiert und ausproduziert, fernab jeglichen Zeitdrucks und Kommerzdenkens. Der Song, kein bloßer Minutenfüller unter vielen, sondern ein für sich stehendes, zu einem großen Ganzen gehörendes Puzzleteil. Eine Erkenntnis, zu der neben Kritikern und Konsumenten, die das Album in Kanada auf einen beachtlichen Platz 24 hievten, auch Kollegen wie der ebenfalls herausragende Classified kommen, der das hypnotisch wirkende „A Good Name“ produzierte.

Selbst das als Interlude gekennzeichnete „Call Waiting“ entlockt dem Zuhörer ein ernstgemeintes ’schön’. Womit man allmählich auch den Kern des Albums ausmacht: das Grundgerüst von Shads Musik ist an sich betrachtet recht simpel gestrickt, funktioniert aber in dieser Form überragend. Das liegt zum Einen an Shads wirkungsvollen Texten, die den Weg in den Gehörgang auf Anhieb finden und an der Liebe für die Sache, die aus jeder Sekunde Spielzeit rinnt. Lieblos dahin geklatscht geht jedenfalls anders und so ist man geradezu überwältigt vom geerdeten Charme des Langspielers.

Dieses Album mit „The Old Prince“ zu vergleichen, macht am Ende des Tages nur wenig Sinn. Nicht nur liegen zwischen beiden LPs gut drei Jahre, in denen ein Künstler wie Shad weiter reift. Auch sind beide für sich genommen großartig und bedeutsamer als so manche Diskographie von Kollegen. Ein rundes Albums, das in keinster Weise steril oder konstruiert wirkt und einem stets vor Augen führt, warum man gerade Rapmusik zu ’seiner’ Musik auserkoren hat. Klasse Album eines klasse Künstlers.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Freitag, 12. November 2010

SK-Crew - SK-Lation




Vor Kurzem fand sich an selbiger Stelle bereits das „Sweet Whiskey“-Video und nun folgt auch prompt die Rezension zum Album der Baden-Württemberger, „SK-Lation“ genannt, und stellt gleich richtig, dass in BaWü derzeit längst nicht alles aus Streiks und Protestaktionen besteht. Denn SK steht für SprücheKüche und das hier aufgebotene, fünfzehn Tracks starke, Süppchen hat ganz andere Ansprüche, als miese Stimmung unter die Menschen zu bringen. Zeit, einzutauchen in die Welt der SK-Crew und sich einen genaueren Eindruck zu verschaffen, denn: „DIE SPRÜCHEKÜCHE FEIERT AUCH OHNE DICH ABER VIEL LIEBER MIT DIR!!„

Angesichts des bereits angesprochenen Videos muss man kein Prophet sein, um die grobe Richtung des Albums herauszulesen: feierlustig, liquide und gut gelaunt. Quasi der Gegenentwurf zur sonst überwiegend ernüchternden und pessimistischen Stimmung, dem Wetter,...ihr wisst Bescheid. So bringt das Intro bereits einiges in Bewegung, was vor allem dem orientalisch angehauchten Instrumental geschuldet ist, welches ordentlich Druck macht, sowie die richtige Atmosphäre für Folgendes schafft. Eben genau das, was eigentlich Aufgabe eines Intro sein sollte; die ersten Minuten gelungen.

Im Laufe der Spielzeit gesellen sich weitere Partystücke hinzu, die in aller Regel bereits im Titel die Stoßrichtung erkenntlich machen und von den beiden MCs Sebo & MC Pohse mit Reimen versehen werden, die die große Feierei unterstützen, aber sowohl inhaltlich als auch technisch weniger für Aufsehen sorgen. Dass dies aber kein Hindernis darstellen muss, bewiesen bereits andere vor ihnen, man frage nur mal die Atzen. Simpel, aber wirkungsvoll, so könnte man das Ganze umschreiben und so ist man voll dabei, wenn es auf „Fette Schenkel“ ans Eingemachte geht.

Im Gedächtnis bleibt auch „Chill“, ein unscheinbar betiteltes Stück, das aber durch einen ungemein netten Beat überzeugt und im Zuge dessen man ein großes Kompliment an Nes aussprechen muss. Dieser produzierte sämtliche Beats und diese sind in aller Regel durch die Bank frei von Tadel und verfehlen selten bis nie ihr Ziel. Beide Daumen hoch dafür und keinesfalls das gut gefüllte Gläschen vergessen, der Pegel will schließlich gehalten werden. Was jedoch nicht bedeuten soll, die Instrumentale würden nur im angeheiterten Zustand gefallen, auch nüchtern ist man voll des Lobes.

Kommen wir also ohne große Umwege zum Fazit: Wer auf poetische Lyrics wert legt und/oder ein melancholisch düsteres Klangbild, der sollte sich anderweitig umsehen. Wer jedoch gerne auch mal die lyrische Finesse bei Seite lässt, um hemmungslos auf dem Tresen herum zu torkeln, während Sattes aus den Boxen knallt, der ist bei der SK-Crew genau richtig. Anders ausgedrückt: durchschnittliche Raps treffen auf tanzbare, hochklassige Produktionen und herausgekommen ist der inoffizielle Soundtrack für Feierwütige, der sich besonders gut in der Phase des Vorglühens macht.

Dienstag, 9. November 2010

Jai spricht: über Musikkonsum

Es ist mal wieder an der Zeit, meine Gedanken in die virtuelle Welt hinaus zu tragen. Dieses mal geht es um die Hörgewohnheiten und die Art und Weise wie Musik konsumiert wird. Ein Thema, das mich stets bewegt und mit Sicherheit schon in dem ein oder anderen Post von mir herauszulesen war. Entschuldigt, wenn ich mich daher des Öfteren wiederhole. Doch nun zum eigentlichen Thema:

Der Musikmarkt ist größer denn je und fährt im wöchentlichen Rhythmus die nächsten Jünglinge auf, die fortan als nächstes großes 'Ding' gefeiert werden, ein sog. Hype entsteht. Mehr Künstler und weniger Plattenverkäufe, Teilschuldner ist das Internet, welches neben etlichen illegalen Möglichkeiten längst auch mit iTunes und ähnlichen Anbietern virtuelle Shopping-Möglichkeiten anbietet, ohne das ein physischer Tonträger über den Tisch wandert. Hinzu kommen Tausende von vorab veröffentlichten Tracks eines erwarteten Albums, Free Tracks und Alben, Exklusives,...Musik wohin das Auge bzw. Gehör reicht.

Dabei den Überblick zu behalten ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich und fordert so und so Opfer. Du willst über jeden neuen Track im Netz Bescheid wissen und ihn unmittelbar nach Erscheinen hören, jedes Album am (oder vor?) VÖ-Termin durchgehen? Dann musst du jeden Tag weiter gehen und gibst somit den bereits erschienen Stücken keine Gelegenheit, sich zu etwas Besonderem zu entwickeln, Klassiker vergangener Tage zu feiern oder einfach mal in anderen Gewässern (sprich Musikgefilden wie Rock) zu fischen. Der Konsum kommt einem Wettlauf nahe, dessen Ziel eine möglichst aktuelle Playlist ist und die Musik selbst verkommt und nimmt an Wert ab.

Eine andere Möglichkeit ist das im Gegensatz dazu fast schon rückwärtsgewandte Hören. Tracks aus dem Internet werde eher sporadisch gehört und Alben auch gerne mal erst Monate nach Erscheinen gekauft bzw. erstmalig gehört. Und dazwischen werden immer wieder gern gehörte Langspieler aus der persönlichen, zeitlosen Favoritenliste in die Anlage gelegt. So stellt man zum Einen sicher, den Alben genügend Zeit zu geben, sich zu entfalten, die Arbeit der Künstler wird in gewisser Weise höher geschätzt und das Hören kommt einem Studieren gleich, wie man es noch zu Zeiten von "Ready To Die", "Illmatic" oder Alben ähnlichen Kalibers tat. Zum anderen jedoch nimmt man den Blick weg von aktuellen Entwicklungen und hinkt den Foren dieser Welt stets hinterher. Ehe man bei Album A von Künstler B mitreden kann, hat dieser bereits Album C veröffentlicht.

Letztlich ist es jedem selbst überlassen, wie er konsumiert, wichtig ist lediglich, dass die Arbeit der Künstler nach wie vor gebührend honoriert wird. Dass ist nicht immer ganz einfach, zumal sich mittlerweile Rapper selbst dafür loben, ganze Alben innerhalb weniger Stunden aufzunehmen. Aber ohne dieses Bewusstsein verkommt der Hauptdarsteller, die Musik, allmählich zum belanglosen Statisten und das möchte wohl niemand, dem etwas an Klängen und Tönen liegt, bewusst zulassen.

Sonntag, 7. November 2010

Lil Wayne - I Am Not A Human Being




Hand aufs Herz, die Wiedergeburt des krächzenden Vogelmann-Schützlings war ein musikalischer Rückschritt und scheiterte sowohl angesichts übermäßig hohen Erwartungen als auch in der Umsetzung des Rock-Elementes. Da weckte die Ankündigung des neuen Albums nicht gerade Vorfreude und deutete schon im Titel gepflegten Größenwahn an, welcher allmählich über das gewohnte Maß hinauszuschießen droht. Selbst das Cover assoziiert man mit dem verhunzten „Rebirth“ und irgendwie geht man mit einem mulmigen Gefühl an die 13 neuen Stücke heran. Andererseits handelt es sich hier um eine der polarisierenden Charakter, der mit jeder Silbe immer noch mehr bewegt, als mancher Kollege auf Albumlänge. Und Wayne wäre nicht dort wo er ist, wüsste er nicht auch von eben dieser Fähigkeit Gebrauch zu machen.

Keine Minute muss vergehen, ehe man zum ersten Mal ernsthaft realisiert, dass hier wieder etwas mehr gehen könnte. „Gonorrhea“ ist, wenn auch eigenwillig betitelt, ein ordentlich voranschreitender Beat mit einem menschlichen Swagger-Sprenkler in Form von Weezy und einem Drake-Feature, auf das man an dieser Stelle fast schon hätte verzichten können, wirkt es doch mehr als überflüssige Dreingabe, denn als prägendes Element innerhalb des Songs. Sei es drum, denn schon mit „With You“ formiert sich das Team Carter/Graham auf ein Neues und schraubt einen gelungenen Slow Jam, der durchaus zu gefallen weiß.

Selbst die inzwischen beinahe verhassten Gitarrenriffe schaffen es, auf dem Titeltrack einen abwechslungsreichen Trip zu veranstalten, der schlüssiger wirkt als der Großteil der „Rebirth“-Stücke. Und wo wir schon beim Thema sind, auch die längst nicht unbestrittene Nicki Minaj sorgt mit ihrer Performance auf „What’s Wrong With Them“ für gesteigerte Neugierde auf deren Solowurf. Überhaupt schaffen es wieder mehr Stücke in die Region zwischen tauglich und gut, darunter „Right Above It“, „I Don’t Like The Look Of It“ und die beiden Young Money-Dinger. Genügend Gründe, wieder etwas freundlicher drein zu blicken beim Anblick des Ex-Häftlings.
Zwar ist es noch ein gutes Stück hin bis zur einstigen Höchstform, doch hier und da blickt wieder etwas von dem auf, was man an Lil Wayne einst schätzte, bevor das ziellose Gekrächze auf Rockbeats seinen Lauf nahm. Ironischerweise hätte man die Titel von „Rebirth“ und vorliegendem Album auch tauschen können, entspricht dieser Entwurf weit mehr einer musikalischen Wiedergeburt. Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht mit Mr. Carter und was er uns mit seinem vierten „Carter“-Teil aufs Tablett zaubert – vollwertige Kost oder abgemagerte Ausschussware.

Auch „I Am Not A Human Being“ wird in der mittlerweile ansehnlichen Diskographie von Birdman Junior keinen Platz an der Sonne erhalten. Der Trend zeigt jedoch wieder klar in die richtige Richtung und gibt Grund zur Hoffnung, dass da noch das ein oder andere Hörenswertes auf Albumlänge erscheinen wird. Lediglich der Albumtitel selbst ist eine klare Falschaussage; Wayne ist menschlich wie wir alle und wie jeder von uns durchlebt er Höhen und Tiefen. Ein Glück nur, dass er die Bergausrüstung wiedergefunden zu haben scheint. Nicht überragend, aber im Kern recht ordentlich.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Group Home – Gifted Unlimited Rhymes Universal




Man hatte es dieses Jahr nicht leicht als Gang Starr-Sympathisant, als Mitte April die traurige Nachricht vom Tode Keith Elams, besser bekannt als Guru, bekannt wurde. Der Krebs hatte ihn besiegt und mit ihm verschwand auch der letzte Tropfen Hoffnung auf einen weiteren Gang Starr-Release. Das alles ändert jedoch nichts am Stellenwert, denn der Stellenwert Gurus zeit seines Lebens und darüber hinaus, ist ein zentrales Kapitel in den Chroniken des Hip Hop. Und auch Lil Dap und Melachi the Nutcracker haben einen ihrer wichtigsten Kollegen nicht vergessen und widmen diesem gleich ein fünfzehn Stücke starkes Album. Ein kleiner Grund zur Freude innerhalb der Gang Starr-Sippschaft?

Wie so oft, überwiegt zunächst einmal ein Gefühl der Freude, hat man Group Home doch noch immer unter solidem Eastcoast-Rap gespeichert, der im Idealfall gleich vom Meister selbst, die Rede ist von Premo, produziert wird. Dieser hat für vorliegendes Album zwar lediglich einen Beat beigesteuert, dafür kommt noch einmal bzw. dreimal zu Wort und auch Jeru The Damaja, Lord Jamar und Grinsekind Smiley sind mit von der Partie. Das liest sich alles ebenso ordentlich, wie es sich auch anhört. Besonders die beiden ersten Tracks, das mit Jeru eingespielte „G.U.R.U.“ und „Pay Attention“ mit Smiley und Guru fahren wohlwollend ein. Letzterer Track vor allem wenn noch einmal diese einzigartige Stimme von Guru selbst ertönt.

Vollauf zufrieden mit den ersten Minuten, überkommt einen jedoch von Anspielpunkt zu Anspielpunkt das dumpfe Gefühl auf, hier ansonsten nur wenig Spannendes zu erleben. Gründe dafür sind wahlweise Kleinigkeiten wie die sehr dünne Hook auf dem ansonsten noch tauglichen „Up Against The Wall“ mit MC Ace und Lord Jamar oder aber schwere Schnitzer in Sachen Beatauswahl. Gerade der von Features befreite Mittelteil ist stellenweise anbiedernd langweilig und taugt allenfalls als Hintergrundbeschallung denn als in den Bann ziehende, bangende Rapmusik aus dem Big Apple. Schade, beweist doch die Anfangsphase, dass es durchaus besser gehen könnte.

Wenigstens zum Ende hin bekommt der Hörer noch einmal solides Material zugespielt. „The Legacy“ ist nicht nur vom Instrumental her wieder ein gutes Stück besser als Vorangeganges – kein Wunder, hatte hier doch DJ Premier selbst die Finger an den Reglern, sondern fährt erneut ein paar Verse von Guru auf, so dass ein Hauch von Gang Starr-Atmosphäre in der Luft hängt, von dem auch das direkt anknüpfende „Be Like That“ im Ansatz profitiert und schließlich zum dritten und letzten Mal die Bühne räumt für Gifted Unlimited Rhymes Universal.

Group Home liefert mit „Gifted Unlimited Rhymes Universal“ ein durchschnittliches Album ab, welches gut gemeint ist, aber aufs große Ganze betrachtet doch alles andere als relevant erscheint. Insofern ist es ein Album für Puristen und ein Denkmal an eine der großartigsten Stimmen, die Hip Hop jemals gehört hat und jeder Kauf unterstützt zu einem Teil den Treuhandfonds von Gurus Sohn. Ein weiterer Kaufgrund für ein ansonsten überschaubares Album, das ohne den Geist von Keith Elam kaum im Gehörgang hängen bleibt.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de